Ein Nachmittag im Juli, das Fenster halb offen, und plötzlich fehlt etwas: Der Wind legt sich, die Vögel verstummen, das Grün im Garten wird dunkler. Dann fallen die ersten Regentropfen auf das Fensterbrett, einzeln, dann dichter, bis das Rauschen alles andere überdeckt. Wer diesen Moment kennt, weiß, warum es so viele Zitate über Regentropfen gibt. Regen ist das Wetter, bei dem man innehält und die Natur betrachtet, statt durch sie hindurchzugehen. Manchmal genügt ein Regenschauer, um einen Tag in zwei Hälften zu teilen: die davor und die danach.
Dieser Artikel sammelt Zitate über Regen, die sich belegen lassen, vom vollständigen Rilke-Gedicht bis zu Sprichwörtern, erklärt, was der Regen in der Literatur bedeutet, und zeigt, wann welcher Spruch passt.
Rilkes „Vor dem Sommerregen“: Das Gedicht zum Moment davor
Genau die Szene vom Anfang hat Rainer Maria Rilke 1907 in den „Neuen Gedichten“ beschrieben. Das Sonett ist gemeinfrei und darf vollständig zitiert werden:
> Auf einmal ist aus allem Grün im Park
> man weiß nicht was, ein Etwas, fortgenommen;
> man fühlt ihn näher an die Fenster kommen
> und schweigsam sein. Inständig nur und stark
>
> ertönt aus dem Gehölz der Regenpfeifer,
> man denkt an einen Hieronymus:
> so sehr steigt irgend Einsamkeit und Eifer
> aus dieser einen Stimme, die der Guß
>
> erhören wird. Des Saales Wände sind
> mit ihren Bildern von uns fortgetreten,
> als dürften sie nicht hören was wir sagen.
>
> Es spiegeln die verblichenen Tapeten
> das ungewisse Licht von Nachmittagen,
> in denen man sich fürchtete als Kind.
Das Besondere: Kein einziger Tropfen fällt in diesem Gedicht. Rilke beschreibt nur das Davor, die Stille, in der man den Regen schon spürt. Den Volltext mit Quellenangabe finden Sie auf Wikisource unter „Vor dem Sommerregen“. Wer Rilkes Naturgedichte mag, findet in unserem Beitrag zum Windgedicht von Rilke ein Gegenstück.
Was sagte Hermann Hesse über den Regen?
Hesse schrieb 1916 das Gedicht „Regen“, das so beginnt: „Lauer Regen, Sommerregen / Rauscht von Büschen, rauscht von Bäumen“. Die weiteren Strophen handeln davon, wie gut es tut, einmal wieder ausgiebig zu träumen. Hesse starb 1962, seine Texte sind noch nicht gemeinfrei, deshalb bleibt es hier bei diesen beiden Zeilen. Sie reichen, um zu sehen, was Hesse am Regenwetter schätzte: Es ist nicht das Gegenteil von gutem Wetter, sondern eine Einladung nach innen.

Longfellow: In jedes Leben muss etwas Regen fallen
Der amerikanische Dichter Henry Wadsworth Longfellow veröffentlichte 1842 „The Rainy Day“. Die letzte Strophe enthält den Satz, der bis heute in englischen Trostkarten steht:
> Be still, sad heart! and cease repining;
> Behind the clouds is the sun still shining;
> Thy fate is the common fate of all,
> Into each life some rain must fall,
> Some days must be dark and dreary.
Auf Deutsch, sinngemäß: Sei still, trauriges Herz, und hör auf zu klagen; hinter den Wolken scheint die Sonne weiter; dein Schicksal ist das gemeinsame Schicksal aller; in jedes Leben muss etwas Regen fallen, manche Tage müssen dunkel und trüb sein. Der Regen steht hier für das, was niemandem erspart bleibt, und der Regenbogen fehlt bewusst: Longfellow verspricht keine Belohnung, nur das Weitergehen.
Drei Jahre später, 1845, schrieb derselbe Dichter das Gegenstück „Rain in Summer“, das mit den Zeilen beginnt: „How beautiful is the rain! / After the dust and heat, / In the broad and fiery street“. Wie schön ist der Regen nach Staub und Hitze. Beide Gedichte zusammen zeigen die zwei Gesichter des Regens: Last und Erlösung.
Goethe: Vom Himmel kommt es, zum Himmel steigt es
Goethes „Gesang der Geister über den Wassern“ von 1779 handelt vom Kreislauf des Wassers, und damit auch vom Regen:
> Des Menschen Seele
> Gleicht dem Wasser:
> Vom Himmel kommt es,
> Zum Himmel steigt es,
> Und wieder nieder
> Zur Erde muß es,
> Ewig wechselnd.
Der Regentropfen, der auf die Erde fällt und als Dunst wieder zum Himmel steigt, wird bei ihm zum Bild für die menschliche Seele. Für Trauerkarten ist das eines der schönsten Zitate, weil es den Kreislauf betont, nicht das Ende.
Regen in der Bibel: Über Gerechte und Ungerechte
Das älteste Regenzitat, das die meisten kennen, steht in der Bergpredigt. Matthäus 5,45 in der Lutherbibel: Gott „lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.“ Der Regen ist hier ein Bild für Gleichbehandlung. Er fällt auf alle Felder, ohne zu fragen, wem sie gehören. In Trauerreden und Predigten wird der Vers gern zitiert, wenn es um das Annehmen dessen geht, was man nicht beeinflussen kann.
Sprichwörter über Regen und Regenbogen
Neben Zitaten mit Urheber gibt es Redensarten, die keinem Autor gehören. Sie sollten als Volksweisheit gekennzeichnet werden, nicht als Zitat:
| Sprichwort | Bedeutung | Passender Anlass |
|---|---|---|
| Auf Regen folgt Sonnenschein. | Schwere Zeiten enden. | Trostkarte, Genesung |
| Regen am Hochzeitstag bringt Glück. | Alter Brauchtumsglaube, oft mit dem Reim „Regen bringt Segen“. | Hochzeit bei schlechtem Wetter |
| Ohne Regen kein Regenbogen. | Freude setzt Schwierigkeiten voraus. | Motivation, Neuanfang |
| Wer im Regen steht, wird nass. | Wer sich Risiken aussetzt, trägt die Folgen. | Warnung, Humor |
Die Redensart vom Regenbogen ist die jüngste dieser Reihe und tritt in vielen Sprachen auf. Wer sie verwendet, sollte sie nicht mit einem Namen versehen; die im Netz verbreiteten Zuschreibungen an Dolly Parton oder Mark Twain lassen sich nicht belegen.
Was symbolisiert der Regen in der Literatur?
Der Regen hat in der Literatur keine feste Bedeutung, sondern drei wiederkehrende:
- Reinigung und Erneuerung. Der Regen wäscht Straßen, Luft und Gemüt. Nach dem Schauer glänzt alles, die Natur wirkt wie neu, und der Regenbogen markiert den Neuanfang. Kaum ein Symbol ist so eindeutig positiv wie der Regenbogen nach dem Regen. Diese Deutung tragen die Sprichwörter und viele Frühlingsgedichte, etwa jene in unserer Übersicht bekannter Frühlingsgedichte.
- Melancholie und Rückzug. Der Regen am Fenster ist die klassische Kulisse für Erinnerung, Trauer und verlorene Liebe; in Liebesgedichten stehen die Tropfen an der Scheibe oft für Tränen, die niemand sehen soll. Longfellows „dark and dreary“ und Rilkes Kindheitsangst in der letzten Strophe gehören hierher.
- Gleichmaß und Gnade. Der Regen fällt auf alle. Die Bergpredigt und viele Erntegebete verwenden dieses Bild, und die Hoffnung auf Regen war in bäuerlichen Gesellschaften die Hoffnung auf das nächste Jahr.
Theodor Storm hat 1864 im Märchen „Die Regentrude“ noch eine vierte Bedeutung ausgearbeitet: Der ausbleibende Regen als Strafe für Geiz und Hartherzigkeit, der wiederkehrende Regen als Zeichen, dass die Ordnung hergestellt ist. Wer Naturmotive im Wechsel der Jahreszeiten sucht, findet in unserem Herbstgedicht-Beitrag den nächsten Schritt: Dort wird aus dem Regen Nebel.

Die schönsten kurzen Regen Zitate im Überblick
Wer nur eine Zeile braucht, findet hier die kurzen Zitate dieses Artikels, alle mit Urheber:
| Zitat | Autor, Werk | Stimmung |
|---|---|---|
| „Into each life some rain must fall.“ | Longfellow, The Rainy Day (1842) | tröstend |
| „How beautiful is the rain!“ | Longfellow, Rain in Summer (1845) | dankbar |
| „Lauer Regen, Sommerregen“ | Hesse, Regen (1916) | ruhig |
| „Vom Himmel kommt es, zum Himmel steigt es“ | Goethe, Gesang der Geister über den Wassern (1779) | feierlich |
| „Er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.“ | Matthäus 5,45 | versöhnlich |
| „Auf einmal ist aus allem Grün im Park man weiß nicht was, ein Etwas, fortgenommen“ | Rilke, Vor dem Sommerregen (1907) | gespannt |
Inspirierende Regen Zitate ohne Urheber, die im Netz kursieren, haben wir bewusst weggelassen. Die Kraft des Regens als Bild braucht keinen erfundenen Namen darunter.
Welche Sprüche über Regen sind positiv?
Positiv im Sinn von tröstlich oder ermutigend sind vor allem diese:
- Longfellows „Behind the clouds is the sun still shining“, weil er die Sonne nicht verspricht, sondern voraussetzt.
- Longfellows „How beautiful is the rain!“, weil er den Regen als Erlösung von Hitze und Staub sieht.
- Hesses „Rauscht von Büschen, rauscht von Bäumen“, weil der Regen hier ein Genuss ist.
- Goethes „Vom Himmel kommt es, zum Himmel steigt es“, weil nichts verloren geht.
- „Auf Regen folgt Sonnenschein“ für alle, die es kurz mögen.
- Matthäus 5,45 für Menschen, die mit einer Ungerechtigkeit hadern.
Wie wirkt Regen auf die Stimmung?
Viele Menschen mögen Regenwetter nicht und sprechen von schlechtem Wetter, und trotzdem gehören Regengeräusche zu den beliebtesten Klängen zum Einschlafen. Das Leben im Regen und das Leben am Fenster sind zwei verschiedene Dinge. Der Widerspruch löst sich auf, wenn man Innen und Außen trennt: Regen, in dem man ohne Regenschirm steht, ist unangenehm. Regen, den man vom Fenster aus hört, ist beruhigend, weil er gleichmäßig ist und keine Aufmerksamkeit verlangt. Das erklärt, warum Regen Zitate so oft die Fensterscheibe erwähnen und so selten die nasse Straße. Wer diesen Effekt gezielt nutzen möchte, findet in unserer Sammlung Zitate für Entspannung weitere Sätze über Ruhe.

Wann passt welches Regen Zitat?
- Für die Trauerkarte: Longfellow, Goethe oder Matthäus 5,45.
- Für den Geburtstag eines Menschen, der gern liest: Rilke, vollständig, auf gutem Papier.
- Für Gartenfreunde und Menschen, die gerade Ruhe brauchen: Hesse.
- Für Hochzeiten bei schlechtem Wetter: „Regen bringt Segen“, als Sprichwort gekennzeichnet.
- Für Motivationsschreiben und Neuanfänge: „Ohne Regen kein Regenbogen“.
Und für den Nachmittag, an dem der Regen gerade einsetzt und man nicht weiß, wohin mit sich, reicht es meist, das Fenster offen zu lassen und zuzuhören; die Natur erledigt den Rest. Die Zitate kann man später nachlesen.

