Cannabinoide wurden in den 60er Jahren erstmals in der Cannabispflanze entdeckt und kamen so zu ihrem Namen. Am bekanntesten ist vermutlich THC (Tetrahydrocannabinol), das eine berauschende Wirkung hat. Dieses Cannabinoid ist jedoch nur eines von vielen – mittlerweile konnten mehr als hundert verschiedene Cannabinoide der Hanfpflanze identifiziert werden. Auch der menschliche Körper produziert Cannabinoide wie Anandamid, entdeckt wurde dies jedoch erst Anfang der 90er. Unterschieden wird deshalb zwischen Phytocannabinoiden, die pflanzlichen Ursprungs sind, und Endocannabinoiden, die innerhalb des Körpers gebildet werden. Außerdem gibt es mittlerweile synthetische Cannabinoide, also Cannabinoide, die im Labor künstlich nachgebildet werden, um beispielsweise zu therapeutischen Zwecken erforscht und angewendet zu werden. Die therapeutische Verwendung von Cannabinoiden ist längst kein Nischenthema mehr. Vor allem in der Schmerzmedizin und Neurologie haben sich bestimmte Cannabinoide wie THC und CBD (Cannabidiol) in Studien als potenziell wirksam erwiesen. Doch auch die Haut kann möglicherweise von einer Behandlung mit Cannabinoiden profitieren. Insbesondere CBD, das unter anderem durch seine entzündungshemmenden Eigenschaften auffällt, ist für die Dermatologie interessant.
Das Endocannabinoidsystem
Das Endocannabinoidsystem (ECS) ist ein komplexes, körpereigenes Signalnetzwerk, das in nahezu allen Geweben des menschlichen Körpers vorkommt und eine zentrale Rolle bei der Aufrechterhaltung des inneren Gleichgewichts (Homöostase) spielt. Es besteht aus drei Hauptkomponenten: den Cannabinoid-Rezeptoren CB1 und CB2, den körpereigenen Liganden beziehungsweise Endocannabinoiden, sowie den Enzymen, die für die Synthese und den Abbau dieser Stoffe verantwortlich sind. Die Rezeptoren wirken nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip: Endocannabinoide oder von außen zugeführte Cannabinoide binden an die Rezeptoren und lösen so verschiedene Reaktionen aus, die unter anderem das Schmerzempfinden, die Stimmung, den Appetit, die Immunfunktion und Entzündungsprozesse regulieren. Auch die Haut verfügt über ein eigenes, funktionell aktives Endocannabinoidsystem. Es reguliert zahlreiche Prozesse, die für die Hautgesundheit entscheidend sind, darunter zum Beispiel die Talgproduktion, die Zellproliferation, die Immunabwehr und die Entzündungsreaktion. Durch die Aktivierung oder Hemmung des Haut-Endocannabinoidsystems kann die Haut auf Stressfaktoren, Verletzungen oder Entzündungen reagieren und so ihr Gleichgewicht erhalten. Es gibt den Verdacht, dass Störungen im endogenen Cannabinoidsystem der Haut verschiedene chronische Hauterkrankungen wie Akne, Neurodermitis oder Psoriasis begünstigen können. Entsprechend kann eine gezielte Modulation dieses Systems durch Cannabinoide möglicherweise neue therapeutische Perspektiven bei der Behandlung chronischer Hautleiden eröffnen.
Die entzündungshemmenden Eigenschaften von CBD
Forschende der Universität Jena konnten zeigen, dass CBD wie ein „Schalter“ wirkt: Normalerweise produziert unser Körper bei Entzündungen verschiedene Fettsäureprodukte (Lipidmediatoren), die entweder Entzündungen fördern (zum Beispiel Eicosanoide) oder sie beenden beziehungsweise auflösen (sogenannte Specialized Pro-Resolving Mediators, kurz SPMs). CBD fördert die Bildung von SPMs, die Entzündungen beende, indem es das Enzym 15-Lipoxygenase-1 in Immunzellen aktiviert. Gleichzeitig hemmt es die Produktion von entzündungsfördernden Stoffen. Dieser Effekt wurde sowohl in menschlichen Immunzellen im Labor als auch bei Mäusen mit einer künstlich ausgelösten Entzündung nachgewiesen. CBD schafft es also, die Immunantwort so umzulenken, dass Entzündungen nicht nur gebremst, sondern aktiv aufgelöst werden. Das macht CBD zu einem vielversprechenden Wirkstoff für die Behandlung chronischer Entzündungen.
Anwendung von Cannabinoiden bei chronischen Hauterkrankungen
In den letzten Jahren hat sich die Forschung zunehmend auf die potenziellen Effekte von Cannabinoiden bei Erkrankungen wie Neurodermitis (atopischer Dermatitis), Psoriasis (Schuppenflechte) und Akne konzentriert. Dabei steht vor allem die topische Anwendung im Vordergrund – also das direkte Auftragen auf die Haut. Cremes, Salben, Lotionen oder Gele enthalten meist lipophile Trägerstoffe, die das Eindringen der Wirkstoffe in die Hautschichten erleichtern. Besonders CBD ist aufgrund seiner chemischen Struktur gut geeignet, die epidermalen Barrieren zu passieren und in die Haut einzudringen. Ein Vorteil der lokalen Anwendung ist zudem, dass die Wirkstoffe gezielt an Ort und Stelle wirken können, ohne in den systemischen Kreislauf zu gelangen. Das minimiert potenzielle Nebenwirkungen, vor allem die psychoaktive Wirkung von THC, die bei äußerlicher Anwendung praktisch ausgeschlossen ist. Topisch angewendetes CBD gilt als sehr gut verträglich, allergische Reaktionen oder Hautirritationen sind selten und meist mild.
Ausgewählte Studienergebnisse
Bisher gibt es einige Forschungsergebnisse, die darauf hinweisen, dass Cannabinoide erfolgreich zur Behandlung von diversen Hauterkrankungen verwendet werden können. Allerdings befinden sich die meisten verfügbaren Daten noch im vorklinischen Stadium. Viele der bereits durchgeführten Studien waren sehr klein, verzichteten auf eine Kontrollgruppe oder hatten andere Mängel. Nachfolgend stellen wir euch dementsprechend einige interessante Ergebnisse vor, bei denen jedoch noch nicht sicher ist, ob sie reproduzierbar sind und als tatsächlich sicher gelten können.
- Eine Studie aus dem Jahr 2019 evaluierte die Anwendung einer CBD-angereicherten Salbe bei 20 Patienten mit atopischer Dermatitis. Die Ergebnisse zeigten eine signifikante Verbesserung der Hautparameter, einschließlich Hydratation und Elastizität, sowie eine Reduktion des SCORAD-Wertes, einem Maß für den Schweregrad der Erkrankung.
- Zudem wurde bereits 2008 in einer Studie mit 2.456 Teilnehmern mit atopischer Dermatitis eine Creme mit N-Palmitoylethanolamid (PEA), einem endocannabinoidähnlichen Lipid, getestet. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer konnte durch die Anwendung der Creme den Einsatz von Kortikosteroiden reduzieren oder ganz darauf verzichten.
- In dieser Studie von 2024 wurden Experimente durchgeführt, um die Auswirkungen von CBD auf zelluläre Signalwege, die mit Akne in Zusammenhang stehen, quantitativ zu untersuchen. Es konnten eine deutliche Reduktion von Entzündungsprozessen und der Fettproduktion in Talgdrüsenzellen festgestellt werden. Außerdem hemmte das CBD die Überverhornung und förderte gleichzeitig die Bildung von Elastin und Kollagen. Die Wirkung erfolgte über die Modulation wichtiger Signalwege wie AMPK-SREBP-1, was das Potenzial von CBD als innovativen Ansatz zur Behandlung von Akne unterstreicht.
Cannabinoide und insbesondere CBD sind also vielversprechende Kandidaten für effektive und gut verträgliche Behandlungsmittel bei chronischen Hauterkrankungen. Es ist jedoch weitere Forschung erforderlich, um die langfristige Wirksamkeit, optimale Dosierung und Sicherheit von CBD und anderen Cannabinoiden in der dermatologischen Anwendung zu bestätigen. Es ist davon auszugehen, dass zukünftig groß angelegte, placebokontrollierte Studien durchgeführt und veröffentlicht werden.

