Die meisten Rock n Roll Zitate im Netz haben ein Problem: Niemand weiß, wo sie herkommen. Ein Satz wird John Lennon zugeschrieben, im nächsten Beitrag Keith Richards, und die Quelle ist in beiden Fällen ein anderer Sammler. Dieser Beitrag geht anders vor. Hier stehen nur Sätze und Songzeilen, die sich mit Jahr und Fundort belegen lassen. Das sind weniger, aber sie halten: auf einer Karte, in einer Rede oder auf einem T-Shirt.
Wer hat den Begriff Rock ’n‘ Roll geprägt?
Erfunden hat ihn niemand, populär gemacht hat ihn Alan Freed. Der Radio-DJ aus Cleveland startete im Juni 1951 seine Sendung „Moondog’s Rock and Roll Party“ und benutzte den Ausdruck für Rhythm and Blues, den er einem weißen Publikum ohne die übliche Schublade präsentieren wollte. Am 21. März 1952 veranstaltete Freed den „Moondog Coronation Ball“ in der Cleveland Arena, der heute als erstes Rockkonzert der Geschichte gilt. Die Halle war so überfüllt, dass die Behörden die Veranstaltung nach kurzer Zeit abbrachen. In Bluestexten stand die Formulierung schon Jahrzehnte vorher, als Umschreibung für Tanz und Sex. Freed gab ihr nur einen neuen Job.
Was sind die bekanntesten Rock n Roll Zitate?
Die stabilsten Sätze der Rockgeschichte stehen in der Musik selbst. Die Tabelle nennt Zeile, Urheber und Jahr. Die deutschen Fassungen in Klammern sind eigene Übersetzungen.
| Zitat | Urheber | Song, Jahr |
|---|---|---|
| „Roll over Beethoven and tell Tchaikovsky the news“ (Weg mit Beethoven, und sag Tschaikowsky Bescheid) | Chuck Berry | „Roll Over Beethoven“, 1956 |
| „It’s got a backbeat, you can’t lose it“ (Es hat einen Backbeat, den wirst du nicht los) | Chuck Berry | „Rock and Roll Music“, 1957 |
| „Rock and roll is here to stay, it will never die“ (Er bleibt, er wird nie sterben) | David White für Danny & the Juniors | „Rock and Roll Is Here to Stay“, 1958 |
| „Her life was saved by rock ’n‘ roll“ (Diese Musik hat ihr das Leben gerettet) | Lou Reed | The Velvet Underground, „Rock & Roll“, 1970 |
| „I know it’s only rock ’n‘ roll, but I like it“ (Ich weiß, es ist nur Rock ’n‘ Roll, aber ich mag es) | Mick Jagger, Keith Richards | The Rolling Stones, 1974 |
| „It’s a long way to the top if you wanna rock ’n‘ roll“ (Der Weg nach oben ist weit, wenn du rocken willst) | Angus Young, Malcolm Young, Bon Scott | AC/DC, „It’s a Long Way to the Top“, 1975 |
| „Hey hey, my my, rock and roll can never die“ (Diese Musik kann niemals sterben) | Neil Young | „Hey Hey, My My (Into the Black)“, 1979 |
| „’Scuse me while I kiss the sky“ (Entschuldigung, ich küsse kurz den Himmel) | Jimi Hendrix | „Purple Haze“, 1967 |
| „Saturday night’s alright for fighting“ (Samstagnacht ist gut zum Raufen) | Elton John, Text: Bernie Taupin | „Saturday Night’s Alright (For Fighting)“, 1973 |
| „It’s my life, it’s now or never“ (Es ist mein Leben, jetzt oder nie) | Jon Bon Jovi, Richie Sambora, Max Martin | Bon Jovi, „It’s My Life“, 2000 |
Chuck Berry taucht als Einziger zweimal auf, und das ist kein Zufall. Als die Rock and Roll Hall of Fame 1986 ihre erste Klasse aufnahm, war Berry dabei, Johnny Cash folgte 1992. Seine Stücke sind die Grundausstattung, aus der die Stones, The Beatles und AC/DC ihre Musik gebaut haben. Wer heute Gitarre spielen lernt, spielt früher oder später ein Berry-Riff, oft ohne es zu wissen.

Welche Rockstars haben berühmte Sprüche hinterlassen?
Fast alle, nur stehen die berühmtesten meist in Liedtexten, nicht in Interviews. Sechs Beispiele, bei denen Urheber und Jahr feststehen:
- The Beatles: „All you need is love“, Titelzeile von 1967, geschrieben von John Lennon und Paul McCartney. Ringo Starr hat daraus später sein persönliches Motto „Peace and love“ gemacht, mit dem er bis heute jede Bühne betritt.
- The Rolling Stones: „You can’t always get what you want“, 1969. Der Satz wird gern als Lebensweisheit zitiert, im Lied ist er die Bilanz nach einer langen Nacht.
- Sex Pistols: „No future“, aus „God Save the Queen“, 1977. Zwei Worte, die den Geist des Punk zusammenfassen.
- Ozzy Osbourne: „I’m going off the rails on a crazy train“, aus „Crazy Train“, 1980, entstanden mit Randy Rhoads und Bob Daisley.
- Queen: „The show must go on“, 1991, eine der letzten Aufnahmen von Freddie Mercury, der wenige Wochen nach der Veröffentlichung starb.
- Bob Seger: „Today’s music ain’t got the same soul“, aus „Old Time Rock and Roll“, 1978. Die Klage über die neue Musik ist selbst ein Klassiker geworden.
Was fehlt, sind die Kneipenweisheiten über Whiskey, Hirn und Bierflaschen, die Lemmy Kilmister zugeschrieben werden. Manche mag er gesagt haben. Solange der Fundort fehlt, bleiben sie Anekdote, und wahre Legenden brauchen keine erfundenen Sätze.
Was sagte Frank Sinatra über Rock ’n‘ Roll?
Im Herbst 1957 schrieb Sinatra für das französische Magazin „Western World“ einen Text, den die Nachrichtenagenturen Ende Oktober in den USA verbreiteten. Darin nannte er die neue Musik „the most brutal, ugly, degenerate, vicious form of expression“, die brutalste, hässlichste, entartetste und bösartigste Ausdrucksform, die er je habe hören müssen. Gemeint war ausdrücklich „the bulk of rock ’n‘ roll“, der Großteil des Genres. Der Satz gilt als Angriff auf Elvis Presley, der in der Passage aber nicht namentlich vorkommt. Drei Jahre später stand Sinatra mit Elvis in seiner eigenen Fernsehshow auf der Bühne. Das Zitat blieb trotzdem hängen, weil es die Angst einer ganzen Elterngeneration in einen Satz packte: Diese Musik verdirbt unsere Kinder.
Was bedeutet „Sex, Drugs and Rock ’n‘ Roll“?
Die Formel steht für das Klischee vom Musikerleben ohne Bremse, und sie ist jünger, als viele Menschen denken. Der früheste Nachweis findet sich 1969 im Magazin „Life“: „The counter culture has its sacraments in sex, drugs and rock.“ Zum geflügelten Wort machte sie Ian Dury mit seiner Single „Sex & Drugs & Rock & Roll“ von 1977. Das Oxford English Dictionary führt Dury als Urheber der Wendung. Wer den Spruch heute auf ein Shirt druckt, zitiert also einen englischen Songwriter mit Kinderlähmung, der das Klischee mehr beobachtete als lebte.
Welche Zeile hat Kurt Cobain zitiert?
„It’s better to burn out than to fade away“, besser auszubrennen als zu verblassen. Die Zeile stammt aus Neil Youngs „Hey Hey, My My (Into the Black)“ von 1979. Cobain setzte sie 1994 an den Schluss seines Abschiedsbriefs, wenige Tage später war er tot. Seither gilt sie als eine der meistzitierten Zeilen der Musikgeschichte, und sie zeigt, wie stark der Zusammenhang einen Satz verändert: Bei Young war er ein Kommentar zum Aufstieg des Punk, bei Cobain wurde er zur Grabinschrift. Wer die Zeile zitiert, sollte beide Ebenen kennen. Sonst wäre das Zitat nur noch ein Spruch.
Warum halten sich falsche Zuschreibungen so lange?
Weil sie gut klingen. „Before Elvis there was nothing“ wird Lennon zugeschrieben, ein Beleg mit Datum und Anlass fehlt. Auch Richards werden Dutzende Sätze angehängt, die weder in Interviews noch in seiner Autobiografie „Life“ von 2010 auftauchen. Prüfen Sie im Zweifel drei Dinge:
- Gibt es Jahr und Anlass, also Interview, Buch oder Song?
- Steht der Satz in einer Autobiografie, die der Musiker selbst verantwortet hat?
- Ist die Übersetzung als solche markiert, oder wurde der Satz gleich auf Deutsch erfunden?
Ein Zitat ohne diese Angaben ist ein Spruch. Der kann trotzdem gut sein, darum sollten Sie ihn einfach als das bezeichnen, was er ist.

Wie zitieren Sie diese Musik richtig?
Für Karten, Reden oder Social Media reichen einzelne Zeilen. Songtexte sind urheberrechtlich geschützt, kurze Zitate mit Nennung von Urheber und Titel sind aber zulässig, solange sie eine Aussage belegen oder kommentieren. Wer eine ganze Strophe drucken will, braucht eine Lizenz. Wer über Bands schreiben will, sollte einen zweiten Grundsatz kennen: Songzeile und Interviewaussage sind nicht dasselbe. „Rock and roll can never die“ ist eine Figur in einem Lied, nicht Neil Youngs Meinung zum Musikmarkt. Die Musik bleibt, die Deutung wechselt mit jedem, der sie zitiert. Von Freiheit, Liebe und der Kraft eines einzigen Riffs erzählt sie seit sieben Jahrzehnten, und gute Musik kann Menschen auf diese Art bis heute inspirieren.
Wenn Sie es ruhiger mögen, finden Sie bei uns auch Zitate für Entspannung. Wer bei den Beatles weiterlesen will, findet die besten Beatles Zitate mit Hintergrund in einem eigenen Beitrag. Und für alle, die sich beim Anblick einer alten Jukebox an ihr erstes Konzert erinnern, gibt es unsere Nostalgie Sprüche.


