Ein einziger Buchstabe trennt zwei Namen, die nichts miteinander zu tun haben. Gutenberg mit einem t führt nach Mainz zum Erfinder des Buchdrucks. Guttenberg mit zwei t führt nach Oberfranken zu einem Adelsgeschlecht, einer Burg, einer Gemeinde und zu einem Politiker, der zwischen 2009 und 2011 Bundesminister war.
Weil unsere Domain die eine Schreibweise trägt, landen regelmäßig Suchanfragen zur anderen bei uns. Dieser Beitrag ist ein redaktionelles Porträt der beiden Namen. Er sortiert die vier häufigsten Irrtümer und nennt zu jedem den belegten Sachverhalt.
Irrtum 1: Gutenberg und Guttenberg sind derselbe Name
Nicht ganz falsch, aber irreführend. Sprachlich stammen beide Formen aus derselben Quelle: „guter Berg“, eine günstig gelegene Anhöhe. Solche Ortsbezeichnungen gibt es im deutschen Sprachraum in großer Zahl, und aus ihnen wurden im Mittelalter Herkunftsnamen.
Getrennt sind sie trotzdem, weil sie an verschiedenen Orten entstanden und an verschiedene Familien gebunden sind:
| Gutenberg | Guttenberg | |
|---|---|---|
| Bekanntester Träger | Johannes Gutenberg, Erfinder des Buchdrucks | Das fränkische Adelsgeschlecht von und zu Guttenberg |
| Herkunft des Namens | Ein Mainzer Familienhof namens „zum Gutenberg“ | Die Burg Guttenberg im Frankenwald |
| Region | Mainz, Rheinhessen | Oberfranken, Landkreis Kulmbach |
| Erste Belege | Beiname ab den 1420er Jahren | Namenswechsel im frühen 14. Jahrhundert |
Die Doppelung des t ist keine Bedeutungsverschiebung, sondern regionale Schreibgewohnheit aus einer Zeit ohne einheitliche Rechtschreibung. Heute ist sie schlicht ein amtlicher Unterschied.
Irrtum 2: Der Politiker stammt vom Erfinder ab
Dafür gibt es keinen Beleg, und die Zeitrechnung spricht dagegen.
Das Geschlecht der Guttenberg ist seit 1148 als Ministerialenfamilie der Grafen von Andechs greifbar, damals noch unter dem Namen von Plassenberg. Um 1310 erwarb Heinrich von Blassenberg die Burg Guttenberg im Frankenwald; später wechselte daraufhin der Geschlechtsname zu „von Guttenberg“. Die Stammburg ist bis heute im Besitz der Familie. Das Historische Lexikon Bayerns, herausgegeben von der Bayerischen Staatsbibliothek, führt die Familiengeschichte im Detail auf.
Die weitere Geschichte der Familie verlief typisch für den fränkischen Ritteradel. Die Guttenberg waren Lehensträger der Burggrafen von Nürnberg sowie der Hochstifte Würzburg und Bamberg und gehörten ab dem 15. Jahrhundert zum Turnieradel. Als Reichsritter führten sie ihren eigenen Lehensbesitz im bayerischen Nordgau, dem heutigen Landkreis Kulmbach; seit dem Jahr 1700 sind sie Freiherren. Der alte Stammsitz erscheint in Verzeichnissen mal als Burg, mal als Schloss Guttenberg.
Johannes Gutenberg wurde dagegen erst um 1400 in Mainz geboren, rund neunzig Jahre nach diesem Namenswechsel, und hieß eigentlich Johannes Gensfleisch zur Laden. Zwei Familien, zwei Regionen, zwei Namensquellen. Eine Verwandtschaft ist weder überliefert noch plausibel.

Wer ist der Politiker mit den zwei t?
Gemeint ist in aller Regel Karl-Theodor zu Guttenberg, geboren am 5. Dezember 1971 in München. Er gehörte der CSU an und saß von 2002 bis 2011 für den Wahlkreis Kulmbach im Deutschen Bundestag in Berlin. Die belegten Eckdaten seiner Amtszeit:
| Zeitraum | Amt |
|---|---|
| 2008 bis 2009 | Generalsekretär der CSU |
| Februar bis Oktober 2009 | Bundesminister für Wirtschaft und Technologie |
| Oktober 2009 bis März 2011 | Bundesminister der Verteidigung |
Im Februar 2011 wurden öffentlich Plagiatsvorwürfe gegen seine 2007 an der Universität Bayreuth angenommene juristische Dissertation erhoben. Die Universität entzog ihm am 23. Februar 2011 den Doktorgrad. Wenige Tage später, am 1. März 2011, erklärte er seinen Rücktritt von seinen Ämtern. Eine Kommission der Universität Bayreuth stellte im Mai 2011 fest, dass er dabei mit Täuschungsabsicht gehandelt habe. Der Deutsche Bundestag hat die damalige Debatte in seinem Textarchiv dokumentiert.
Das sind die dokumentierten Vorgänge. Bewertungen überlassen wir anderen; unser Thema ist der Name.
Irrtum 3: Es geht immer um denselben Politiker
Auch das stimmt nicht. In der deutschen Politik gab es vor ihm bereits einen prominenten Namensträger: sein Großvater Karl Theodor Freiherr von und zu Guttenberg, ebenfalls CSU und ebenfalls aus Oberfranken, war von 1967 bis 1969 Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeskanzleramt. Er starb 1972 in München.
Bekannt wurde der Name außerhalb der Politik zudem durch Enoch Freiherr von und zu Guttenberg, den Vater des späteren Verteidigungsministers. Er arbeitete als Dirigent und Chorleiter und starb 2018.
Wer also in älteren Texten auf „Guttenberg“ als Politiker stößt, sollte auf das Jahr achten:
- Belege aus den 1960er Jahren betreffen den Großvater.
- Belege ab 2002 betreffen den Enkel.
- Beide führten den Freiherrntitel als Namensbestandteil, seit 1919 rechtlich Teil des Nachnamens und kein Adelstitel mehr.
Irrtum 4: Guttenberg ist nur ein Familienname
Der Name hängt zuerst an der Landschaft und erst danach an Personen. Zur Namensfamilie gehören unter anderem:
- Die Gemeinde Guttenberg im oberfränkischen Landkreis Kulmbach, gut zwanzig Kilometer nördlich von Bayreuth, mit der Stammburg des Geschlechts.
- Die Burg Guttenberg bei Haßmersheim am Neckar, Sitz der Linie Gemmingen-Guttenberg.
- Auf der Seite mit einem t: die Orte Gutenberg an der Nahe und Gutenberg bei Lenningen sowie mehrere Burgen dieses Namens von Liechtenstein bis in die Steiermark.
Erst wenn man diese Liste kennt, wird die große Zahl der Verwechslungen verständlich. Suchmaschinen mischen die beiden Schreibweisen, weil es in Bayern, in Rheinland-Pfalz, in Baden-Württemberg und im Alpenraum sehr viele Träger gibt und weil alte Quellen ohnehin beide Formen nebeneinander verwenden.

Woran Sie die richtige Schreibweise erkennen
Eine schnelle Zuordnung für den Alltag:
- Geht es um Buchdruck, Lettern, Bibel, Inkunabeln oder Mainz? Dann Gutenberg mit einem t.
- Geht es um Politik, CSU, Bundeswehr, Adel oder Oberfranken? Dann Guttenberg mit zwei t.
- Steht ein „zu“ oder „von und zu“ davor? Dann immer zwei t.
- Steht „Johannes“ davor? Dann immer ein t.
- Im Zweifel den Ort prüfen: Mainz und Rheinhessen sprechen für ein t, Franken für zwei.
Für Texte, die veröffentlicht werden, lohnt der Blick in die Quelle. Beide Schreibweisen sind Eigennamen, und ein falsch gesetztes t ist kein Tippfehler, sondern eine andere Person.
Zurück zum Namen mit einem t
Johannes Gutenberg hat den Namen erst berühmt gemacht, und zwar lange nach seinem Tod. Zu Lebzeiten war er ein Mainzer Handwerker und Unternehmer, der um 1450 den Druck mit beweglichen Lettern zur Serienreife brachte und dessen bekanntestes Erzeugnis, die 42-zeilige Gutenberg-Bibel, bis heute als Maßstab der frühen Druckkunst gilt. Erst die Jubiläen des 19. Jahrhunderts machten aus dem alten Handwerkernamen ein Symbol, und erst danach entstanden die vielen neuen Einrichtungen, die sich nach ihm benannten.
Wie sein Leben tatsächlich verlief, steht in unserem Porträt über Johannes Gutenberg und die Erfindung des Buchdrucks.

Und was aus dieser Technik geworden ist, lässt sich in unserer Digitalen Bibliothek direkt nachlesen: gemeinfreie Volltexte, die den Weg vom Handsatz bis in die Datei hinter sich haben.

