Wer „Burg Gutenberg“ eingibt, bekommt mindestens vier verschiedene Anlagen serviert: eine in Liechtenstein, eine am Neckar, eine an der Nahe und eine in der Steiermark. Ein Teil davon schreibt sich mit zwei t. Keine hat etwas mit dem Erfinder des Buchdrucks zu tun.
Dieser Text ist ein redaktionelles Porträt des Namens und keine offizielle Seite einer der Burgen. Wir sind ein Magazin für Bücher, Buchdruck und Mediengeschichte. Weil unser Domainname ständig zu Verwechslungen führt, sortieren wir hier die bekanntesten Namensvettern.
Die bekannteste: Burg Gutenberg in Balzers
Wenn von der Burg Gutenberg „hoch über dem Rheintal“ die Rede ist, ist fast immer diese gemeint. Sie steht in Balzers, der südlichsten Gemeinde des Fürstentums Liechtenstein, auf einem allseits freistehenden Felshügel auf 526 Metern über Meer, rund 50 Meter über dem Talboden. Von dort ließen sich die Handelswege durch das Alpenrheintal und der Zugang zur St. Luzisteig überwachen.
Der Burghügel war lange vor der Burganlage besiedelt. Archäologische Funde reichen bis in die mittlere Jungsteinzeit um 4500 v. Chr. zurück, darunter ein Kugelbecher der Rössener Kultur. Der Fund gilt bislang als südlichster Beleg dieser Kulturgruppe, deren Name aus dem 5. Jahrtausend v. Chr. auf ein Gräberfeld in Sachsen-Anhalt zurückgeht. Dazu kommt ein frühmittelalterliches Gräberfeld mit knapp über 300 Gräbern, das im 7. Jahrhundert angelegt wurde. Bekannt sind auch die Gutenberger Votivstatuetten, ein Ensemble massiv gegossener Bronzefiguren aus der jüngeren Eisenzeit mit keltischen und rätischen Einflüssen. Die Gemeinde Balzers hat die Geschichte ihres Wahrzeichens entsprechend gut dokumentiert.
Führungen, Veranstaltungen und aktuelle Zugangszeiten stehen auf der offiziellen Seite der Burg Gutenberg. Wir geben hier keine Öffnungszeiten oder Preise wieder, weil sie sich ändern. Stand dieser Angaben: September 2026.
Vom Felshügel zur Grenzfeste und zurück
Die Baugeschichte lässt sich in wenigen Etappen erzählen, und sie erklärt, warum von der mittelalterlichen Burg heute nur noch Teile stehen.
| Zeitraum | Was geschah |
|---|---|
| 12. Jahrhundert | Die Ringmauer wird errichtet, der älteste erhaltene Teil der Burganlage |
| Spätes 13. Jahrhundert | Die Herren von Frauenberg aus Graubünden halten die Burg und ließen sie wahrscheinlich auch bauen |
| 1314 | Die Burg kommt an die Habsburger und bleibt bis 1824 in deren Hand |
| 1445 und 1499 | Angriffe der Eidgenossen im Alten Zürichkrieg und im Schwabenkrieg |
| 1622 | Während des Dreißigjährigen Krieges wird die Burg zwei Tage lang beschossen |
| bis 1748 | Grenzfeste mit Besatzung, danach die letzte militärische Nutzung |
| 1795 | Nach einem Dorfbrand dient die Ruine als Steinbruch für den Wiederaufbau |
| 1905 bis 1912 | Der Vaduzer Architekt Egon Rheinberger baut sie im historistischen Stil wieder auf und bewohnt sie mit seiner Familie |
| 1979 | Der Kauf durch den Staat Liechtenstein beendet eine wechselvolle Besitzergeschichte |
| seit 2023 | Ein Trägerverein betreibt die Burg als Ort für Kultur und Veranstaltungen |
Das heutige Erscheinungsbild geht also auf Egon Rheinberger zurück, nicht auf das Mittelalter. Nach dem Tod Rheinbergers wechselte die Anlage mehrfach den Besitzer, bevor das Land Liechtenstein sie im Jahr 1979 übernahm. Der Vaduzer Künstler erwarb die Ruine von Fürst Johann II. und formte daraus das Bild, das man heute aus Balzers kennt: Bergfried, Vorburg und Wohnbau in einer Silhouette, die viele für rein mittelalterlich halten. Wer die Bausubstanz genauer einordnen möchte, findet die Details im Historischen Lexikon des Fürstentums Liechtenstein, dem wissenschaftlichen Standardwerk zur Landesgeschichte. Die kunsthistorische Bestandsaufnahme des Burghügels steht zusätzlich im Inventarband der Reihe „Die Kunstdenkmäler des Fürstentums Liechtenstein“.

Die anderen Burgen mit diesem Namen
Vier Anlagen tragen den Namen in nennenswerter Bekanntheit. Sie liegen weit auseinander und haben außer dem Namen nichts gemeinsam.
| Burg | Lage | Kurzprofil |
|---|---|---|
| Burg Gutenberg | Balzers, Fürstentum Liechtenstein | Hochmittelalterliche Anlage auf freistehendem Felshügel, 1905 bis 1912 wieder aufgebaut, seit 1979 im Staatsbesitz |
| Burg Guttenberg | Neckarmühlbach, Gemeinde Haßmersheim, Baden-Württemberg | Um 1180 gegründet, nie zerstört, seit Mitte des 15. Jahrhunderts im Besitz der Freiherren von Gemmingen-Guttenberg, mit Burgmuseum und der Deutschen Greifenwarte |
| Burg Gutenburg | Bei Gutenberg an der Nahe, Landkreis Bad Kreuznach | Höhenburg über dem Dorf, 1213 erstmals urkundlich erwähnt, heute Ruine |
| Burg Gutenberg | Gutenberg an der Raabklamm, Bezirk Weiz, Steiermark | 1185 von Luitold III. von Waldstein errichtet, ab 1288 im Besitz der Stubenberger, mit einer 1365 geweihten Kapelle, gilt als eine der besterhaltenen Anlagen Österreichs |
Zwei Dinge fallen dabei auf. Erstens liegen alle vier auf einer Anhöhe über einem Tal, was den Namen erklärt. Zweitens werden mehrere davon bis heute genutzt, als Museum, als Veranstaltungsort oder als Wohnsitz einer Familie. Nur die Anlage an der Nahe ist Ruine geblieben. Im Jahr 2023 hat in Balzers zudem ein Trägerverein die Führung übernommen, statt die Burg als reines Baudenkmal zu verwalten.
Ein t oder zwei?
Die Schreibweise schwankt, und zwar seit Jahrhunderten. In alten Urkunden finden sich Gutenberg, Guttenberg, Gutenburg und Guttenburg für dieselbe Anlage. Das ist kein Bedeutungsunterschied, sondern regionale Lautschreibung aus einer Zeit vor einheitlicher Orthografie.
Für die Suche heißt das:
- Die Burg am Neckar schreibt sich amtlich mit zwei t, die in Balzers mit einem.
- Die Anlage an der Nahe läuft je nach Quelle als Gutenburg oder als Gutenberg.
- Die steirische Anlage führen manche Verzeichnisse als Burg, andere als Schloss Gutenberg.
- Wer nur eine Schreibweise probiert, findet die Hälfte der Treffer nicht.
Hat die Burg etwas mit Johannes Gutenberg zu tun?
Nein, und die Richtung der Namensgebung ist genau umgekehrt, als viele vermuten.
Alle diese Burgen sind älter als der Buchdruck. Balzers und die Anlage in Österreich reichen ins 12. Jahrhundert zurück, der Erfinder wurde erst um 1400 geboren. Er hieß zudem eigentlich Johannes Gensfleisch und übernahm den Beinamen „zum Gutenberg“ von einem Mainzer Familienhof, der wiederum wie die Burgen nach demselben Muster benannt war: ein „guter Berg“, also eine günstig gelegene Anhöhe.
Der Name existierte also lange vor dem Mann und unabhängig von ihm. Erst nach 1800 wurde Gutenberg durch die Druckerjubiläen zu einem Wort, das man mit einer Person verbindet. Seither erben Burgen, Orte und Betriebe eine Bedeutung, die sie nie beansprucht haben. Wie das im Alltag aussieht, zeigt der Fall eines Fahrzeughandels namens Gutenberg ebenso wie der eines Mainzer Digitalzentrums, das den Bezug bewusst sucht.
Was es mit dem Erfinder selbst auf sich hat, steht in unserem Porträt über Johannes Gutenberg und die Erfindung des Buchdrucks.

Woran Sie erkennen, welche Burg gemeint ist
Eine kurze Zuordnungshilfe für den nächsten Suchtreffer:
- Steht „Rheintal“, „Balzers“ oder „Liechtenstein“ dabei, ist es die Burg im Fürstentum.
- Ist von Greifvögeln, Neckartal oder Gemmingen die Rede, geht es um Haßmersheim.
- Fällt der Name Raabklamm oder Weiz, liegt die Burg in der Steiermark.
- Bei Nahe, Soonwald oder Bad Kreuznach ist die Ruine über Gutenberg an der Nahe gemeint.
- Taucht Mainz auf, geht es fast nie um eine Burg, sondern um den Erfinder.
Der Namensteil „Berg“ hat all diese Anlagen überdauert, weil er beschreibt, wo sie stehen. Neue Deutungen braucht es dafür nicht: Wer auf einem Burghügel steht, versteht den Namen vermutlich schneller als beim Lesen jeder Chronik. Der Ruhm kam später und von woanders.

Wer nach der Burgenrunde beim Buchdruck landen möchte: In unserer Digitalen Bibliothek stehen gemeinfreie Volltexte bereit, vom philosophischen Klassiker bis zum Roman des 19. Jahrhunderts.

