1970 bekam die Kreisstadt Bergheim ein zweites Gymnasium. Geplant war ein kleines Haus für 480 Schülerinnen und Schüler, einzügig, mit mathematisch-naturwissenschaftlichem Zuschnitt. Zwei Jahre später zog die Schule in ein eigenes Gebäude. Die Adresse: Gutenbergstraße. Und damit war der Name im Grunde schon gesetzt.
Dieser Beitrag ist ein redaktionelles Porträt über den Namen Gutenberg und seine Träger. Er ist nicht die offizielle Seite der Schule. Wer Termine, Anmeldefristen oder Ansprechpartner sucht, findet sie auf der Website des Gutenberg-Gymnasiums Bergheim (Stand: September 2026).
Eine Schule, eine Straße, ein Name
Das städtische Gutenberg-Gymnasium in Nordrhein-Westfalen befindet sich in der Gutenbergstraße im Bergheimer Ortsteil Zieverich. Eine öffentlich dokumentierte Begründung für die Namenswahl gibt es nicht. Weder die Schule noch die Stadt haben eine Widmungsurkunde veröffentlicht, und in den Schulchroniken taucht kein Festakt zur Namensgebung auf. Was bleibt, ist der naheliegende Zusammenhang zwischen Straße und Schule, wie er bei Gründungen dieser Jahre häufig war.
Ein Blick auf die Nachbarschaft macht das Muster sichtbar. Bergheims älteres Gymnasium heißt Erftgymnasium und trägt damit den Namen des Flusses; erst 1981 bekam es diese Bezeichnung. Das jüngere Haus wurde nach einem Erfinder benannt. Landschaft auf der einen Seite, Technikgeschichte auf der anderen: Zwei Häuser in derselben Stadt, zwei ganz unterschiedliche Bezugspunkte. Am Erftgymnasium hängt der Name an der Geografie, am Gutenberg-Gymnasium an einer Technikgeschichte. Wer heute nach einem Gymnasium in Bergheim sucht, landet deshalb entweder beim Erftgymnasium oder beim Gutenberg-Gymnasium, und die Namen erzählen jeweils eine eigene kleine Ortsgeschichte.
Von 480 geplanten Plätzen auf über 1.500 Schüler
Die Rechnung von 1970 ging nicht lange auf. Der Zulauf war so hoch, dass die Einzügigkeit schnell aufgegeben wurde und das Gebäude in vier Bauphasen wuchs, darunter ein Zentralbau mit flexibler Aula und ein eigener Trakt für Musikräume. Mitte der neunziger Jahre besuchten über 1.500 Schülerinnen und Schüler das Gutenberg-Gymnasium, mehr als das Dreifache der ursprünglichen Planung.
| Jahr | Etappe |
|---|---|
| 1970 | Gründung als einzügiges mathematisch-naturwissenschaftliches Gymnasium |
| 1972 | Bezug des eigenen Gebäudes in der Gutenbergstraße |
| 1978 | erstes Abitur am Gutenberg-Gymnasium |
| Mitte 1990er | über 1.500 Schülerinnen und Schüler |
| seit 2004 | Photovoltaikanlage auf dem Dach |
| seit 2016/17 | Status als UNESCO-interessierte Schule |
Seit etwa fünfzehn Jahren liegt die Zahl stabil zwischen 800 und 900. Nach eigenen Angaben unterrichten rund 80 Lehrerinnen und Lehrer derzeit etwa 840 Schülerinnen und Schüler, darunter eine internationale Förderklasse.
Parallel dazu hat sich der Unterricht mehrfach umgestellt. Das 1970 gegründete Haus führte die Oberstufenreform ein, richtete eine differenzierte Oberstufe ein und arbeitete in den letzten zehn Jahren die Umstellung auf das achtjährige Gymnasium ab. Die Abiturquote stieg laut Schulchronik seit 2006 von 30 auf 41 Prozent, ein für die Region hoher Wert.

Was ein Mainzer Goldschmied mit einer Schule von 1970 zu tun hat
Johannes Gutenberg starb 1468, das Gymnasium entstand gut fünfhundert Jahre später. Der Bezug ist trotzdem kein bloßer Zufall der Straßenkarte. Gutenberg hat um 1450 in Mainz das Drucken mit beweglichen Metalllettern zur Serienreife gebracht. Damit ließ sich derselbe Text beliebig oft herstellen, in gleichbleibender Qualität und zu einem Bruchteil der bisherigen Kosten. Wissen wurde erstmals ein Massengut.
Wie sehr diese Leistung bis heute wiegt, zeigt eine Entscheidung der UNESCO: Die 42-zeilige Gutenberg-Bibel wurde 2001 in das Weltdokumentenerbe aufgenommen. Von den ursprünglich rund 30 auf Pergament gedruckten Exemplaren sind nur vier vollständig erhalten. Für eine Schule, die sich seit dem Schuljahr 2016/17 als UNESCO-interessierte Schule versteht, ist das eine hübsche Klammer: Der Namensgeber steht selbst im Register der UNESCO.
Wie aus dem Handwerk eines Goldschmieds eine Medienrevolution wurde, zeichnet unser Porträt über Johannes Gutenberg und seine Erfindung nach.
Sternwarte, MINT und Austausch: das heutige Profil
Der naturwissenschaftliche Zuschnitt der Gründungszeit ist geblieben. Auf dem Dach steht eine Sternwarte, betreut von einer Arbeitsgemeinschaft; seit 2004 arbeitet dort auch eine Photovoltaikanlage. Die Schule führt das Siegel MINT-freundliche Schule, ist Umweltschule in Europa und trägt den Titel Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage.

Dazu kommt der Blick über die Grenze. Es gibt einen Schüleraustausch mit Chauny, der französischen Partnerstadt Bergheims, sowie Kontakte zu Schulen in den USA, in China und Italien. Kunst, Musik und digitale Medien sind eigene Schwerpunkte, an letzteren arbeitet das Haus nach eigener Darstellung schon lange.
Ein besonderes Gewicht hat das soziale Engagement. Aus der internationalen Förderklasse ist über die Zeit ein Angebot geworden, das die Schule selbst als ihr Profilmerkmal im Kreis beschreibt: ein Gymnasium, das Integration nicht als Sonderprojekt behandelt, sondern als Teil des normalen Schulalltags.
Zwei Hinweise für alle, die konkrete Zahlen brauchen:
- Informationen zu Klassen, Kursen und Fremdsprachen ändern sich jedes Schuljahr. Verlässlich sind nur die Schulwebsite und die Seiten der Kreisstadt Bergheim als Schulträger, nicht Verzeichnisportale mit Angaben unbekannten Alters.
- Anmeldefristen für die Sekundarstufe I liegen in Nordrhein-Westfalen im Winter. Statt sich auf Zweitquellen zu verlassen, sollten Eltern die Termine dort abgleichen, wo sie festgesetzt werden.
Der Name Gutenberg jenseits des Schulhofs
Mit dem Namen steht das Gutenberg-Gymnasium nicht allein. Der Name taucht im deutschsprachigen Raum an Gymnasien, Gesamtschulen, Berufskollegs und Universitäten auf, dazu an Museen, Straßen und Vereinen. Eine amtliche Gesamtzahl existiert nicht, weil Schulnamen Ländersache sind.
Drei Beispiele zeigen, wie weit die Namensfamilie reicht. Eine zweite Schule mit diesem Namen porträtieren wir mit der Johannes-Gutenberg-Schule in Heidelberg, die einen ganz anderen Bildungsauftrag hat. Im Buchhandel steht die Büchergilde Gutenberg für gestaltete Bücher seit den zwanziger Jahren. Und wer nach Gutenberg sucht, landet regelmäßig bei einem Politiker, dessen Name sich mit zwei t schreibt und der mit dem Mainzer Erfinder nichts zu tun hat.

Wenn Sie es genauer wissen wollen
- Zur Schule selbst: gugy.de, die Seite des Gutenberg-Gymnasiums, sowie die Schulseiten der Kreisstadt Bergheim.
- Zur Namensgebung: eine offizielle Begründung ist nicht dokumentiert; belegt ist nur die Anschrift in der Gutenbergstraße.
- Zum Namensgeber: die Werkstattgeschichte in Mainz, die 42-zeilige Bibel und ihr Rang als Weltdokumentenerbe.
- Zum Weiterlesen: In unserer Digitalen Bibliothek stehen gemeinfreie Texte im Volltext bereit, von den Klassikern bis zu philosophischen Grundwerken.
Der Name auf dem Schild ist also älter als jede Schulform, die dieses Haus seit 1970 durchlaufen hat. Er wird auch die nächste überstehen.

