Ein passendes Zitat am Anfang kauft Ihnen dreißig Sekunden Aufmerksamkeit. Ein falsch zugeschriebenes kostet Sie die Glaubwürdigkeit für den Rest des Vortrags, sobald jemand im Saal es besser weiß. Deshalb enthält diese Sammlung nur Rhetorik Zitate, die sich einem Werk, einem Brief oder einer dokumentierten Rede zuordnen lassen. Bei den wenigen Sprüchen, deren Herkunft unklar ist, steht das dabei.
Was sagte Aristoteles über die Rhetorik?
Aristoteles hat im 4. Jahrhundert v. Chr. die erste systematische Lehre vom Reden geschrieben. Seine Definition steht am Anfang des zweiten Kapitels der „Rhetorik“: Rhetorik sei die Fähigkeit, bei jedem Gegenstand das zu erkennen, was daran überzeugend sein kann. Überzeugen lässt sich demnach auf drei Wegen:
- durch seinen Charakter, also die Glaubwürdigkeit, die er im Vortrag selbst aufbaut (Ethos),
- durch die Gefühle, in die er die Zuhörer versetzt (Pathos),
- durch das Argument selbst, den Nachweis oder den scheinbaren Nachweis (Logos).
Diese Dreiteilung ist bis heute die Grundlage jeder Schulung für Vortragende. Den vollständigen Text können Sie in der englischen Übersetzung von J. H. Freese in der Perseus Digital Library der Tufts University nachlesen.

Was sagte Cicero über die Rede?
Marcus Tullius Cicero war der erfolgreichste Anwalt und Politiker Roms, und er hat über sein Handwerk geschrieben. In der Schrift „Orator“ (46 v. Chr.) fasst er die Aufgaben des Redners in drei lateinische Verben: probare, delectare, flectere. Beweisen, erfreuen, bewegen. Wer nur beweist, langweilt. Wer nur bewegt, bleibt ohne Substanz.
Zwei weitere Römer gehören in jede Sammlung:
- Cato der Ältere: „Rem tene, verba sequentur.“ Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen. Der Satz ist bei dem spätantiken Rhetoriklehrer Julius Victor überliefert.
- Quintilian, „Institutio oratoria“ (um 95 n. Chr.), Buch X: „Pectus est enim, quod disertos facit.“ Das Herz ist es, was beredt macht. Quintilian meinte damit die innere Beteiligung dessen, der spricht, nicht Gefühlsduselei.
Welche Zitate eignen sich für den Beginn einer Rede?
Für den Einstieg brauchen Sie einen Satz, der knapp ist, ohne Erklärung funktioniert und zu Ihrem Thema führt. Diese fünf erfüllen alle drei Bedingungen, und alle sind belegt:
- Mark Twain, Brief an George Bainton, 15. Oktober 1888: „Der Unterschied zwischen dem beinahe richtigen Wort und dem richtigen Wort ist wirklich eine große Sache: Es ist der Unterschied zwischen dem Glühwürmchen und dem Blitz.“ Ideal, wenn es um Präzision geht.
- Joseph Rudyard Kipling, Rede vor dem Royal College of Surgeons, 14. Februar 1923: „Words are, of course, the most powerful drug used by mankind.“ Passt zu Vorträgen über Sprache, Werbung oder Politik.
- Blaise Pascal, „Lettres provinciales“, 16. Brief (1656): „Ich habe diesen Brief nur deshalb so lang gemacht, weil ich nicht die Muße hatte, ihn kürzer zu machen.“ Ein passender Auftakt, wenn Sie versprechen wollen, sich kurz zu fassen.
- Arthur Schopenhauer, „Parerga und Paralipomena“, Band 2, § 283 (1851): „Man gebrauche gewöhnliche Worte und sage ungewöhnliche Dinge.“ Der kürzeste Stilratgeber der deutschen Literatur.
- Johann Wolfgang von Goethe, „Faust I“ (1808): „Es trägt Verstand und rechter Sinn / Mit wenig Kunst sich selber vor.“ Faust spricht so zu Wagner, und es gilt für jeden Sachvortrag.

Bei Twain und Pascal handelt es sich um Übersetzungen. Nennen Sie das Original oder erwähnen Sie, dass es Ihre eigene Übersetzung ist.
Was ist ein gutes Zitat über das Reden und Schweigen?
Das älteste stammt aus dem Buch Kohelet (Prediger 3,7): „Schweigen hat seine Zeit, Reden hat seine Zeit.“ Der Satz eignet sich für Moderationen, weil er beides gleich gewichtet.
Ludwig Wittgenstein beschließt seinen „Tractatus logico-philosophicus“ (1921) mit Satz 7: „Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.“ Der Satz wird oft als Aufruf zur Bescheidenheit gelesen; Wittgenstein meinte die Grenzen dessen, was sich sinnvoll sagen lässt. Beides trägt in einem Vortrag.
Matthias Claudius schrieb 1799 in einem Brief an seinen Sohn Johannes: „Sage nicht alles, was du weißt, aber wisse immer, was du sagst.“ Und Mark Twain notierte 1894 in seinem Notizbuch: „Wenn du die Wahrheit sagst, musst du dir nichts merken.“ Beide Sätze halten einer Prüfung stand, und beide passen an das Ende eines Vortrags über Ehrlichkeit.
Welche Rhetorik Zitate kursieren ohne Beleg?
Einige der beliebtesten Sprüche, die fast alle kennen, haben keinen nachweisbaren Autor. Sie dürfen sie verwenden, aber weisen Sie darauf hin, dass die Zuschreibung unsicher ist:
- „Eine gute Rede hat einen guten Anfang und ein gutes Ende, und beide sollten möglichst dicht beieinander liegen.“ Wird Mark Twain zugeschrieben, in seinen Werken und Briefen nicht zu finden.
- „Die Menschen, die am wenigsten denken, reden am meisten.“ Kursiert mal unter Montesquieus, mal ohne Namen. Eine Quelle nennt niemand.
- „Tritt frisch auf, tu’s Maul auf, hör bald auf.“ Wird Martin Luther nachgesagt, in seinen Schriften und Tischreden ist der Satz nicht nachgewiesen.
- „Alles, was du sagst, sollte wahr sein. Aber nicht alles, was wahr ist, solltest du sagen.“ Meist Voltaire zugeschrieben, ebenfalls ohne Beleg.
Die Formulierung „wie man ihm nachsagt“ ist ehrlich und klingt trotzdem souverän. Wer eine Rede des Tages hält, sollte sich diese Ehrlichkeit einfach leisten, denn im Publikum sitzt oft jemand, der es nachschlägt.
Wie bauen Sie ein Zitat in eine Rede ein?
Ein Zitat ist kein Schmuck, sondern ein Argument mit fremder Stimme. Damit es wirkt, braucht es einen Rahmen:
| Schritt | Was Sie tun | Beispiel |
|---|---|---|
| Ankündigen | Autor und Anlass nennen | „Cicero schreibt 46 v. Chr. in seiner Schrift Orator …“ |
| Sprechen | Langsam, mit einer Pause davor und danach | Der Wortlaut selbst, ohne Kommentar mittendrin |
| Anknüpfen | In einem Satz erklären, was es für Ihre Sache bedeutet | „Genau das dritte Verb, das Bewegen, fehlt in den meisten Quartalspräsentationen.“ |
Drei Regeln haben sich bewährt. Erstens: höchstens zwei bis drei Zitate pro Vortrag, sonst kommen Sie selbst nie zu Wort. Zweitens: Lesen Sie den Wortlaut vom Blatt oder von der Karte ab, das signalisiert Genauigkeit. Drittens: Kürzen Sie nur so, dass der Sinn erhalten bleibt. Wie das im geschriebenen Text funktioniert, mit Auslassungszeichen und Quellenangabe, erklärt unser Beitrag zur Einbindung von Zitaten in Texte.

Welche Zitate über Sprache und Überzeugung gibt es noch?
Goethe lässt Mephisto im „Faust I“ sagen: „Denn eben wo Begriffe fehlen, / Da stellt ein Wort zur rechten Zeit sich ein.“ Das ist Spott über leeres Gerede, und es funktioniert gut als Warnung vor Worthülsen. Wer beruflich mit schwer verständlichen Texten kämpft, findet in unserem Beitrag über Amtsdeutsch und verständliche Behördensprache das Gegenmittel.
Winston Churchill riet 1949 bei der Verleihung des Times Literary Award: „Short words are best and the old words when short are best of all.“ Dem Sokrates wird der Satz „Sprich, damit ich dich sehe“ zugeschrieben. Überliefert ist er nicht bei Platon, sondern in den „Apophthegmata“ des Erasmus von Rotterdam (1531). Für einen Vortrag über Persönlichkeit und Auftreten ist er trotzdem brauchbar, mit dem Hinweis auf Erasmus.
Wer gern Popkultur statt Philosophen zitiert, wird bei unseren Beatles Zitaten mit Quellenangabe fündig. Auch dort gilt: Songzeile und Jahr nennen, dann trägt die Zeile. Teilen Sie ein Zitat nur, wenn Sie es selbst geprüft haben.
Ihr nächster Schritt
Suchen Sie sich aus dieser Liste einen einzigen Satz aus, der zu Ihrem nächsten Auftritt passt. Schreiben Sie es mit Autor, Werk und Jahr auf eine Karte. Sprechen Sie es dreimal laut, mit Pause davor und danach. Mehr braucht ein guter Einstieg nicht.

