Vergleichen Sie zwei Formulierungen. Erstens: „Lesen heißt mit einem fremden Kopfe, statt mit dem eigenen, denken.“ Zweitens: Arthur Schopenhauer schreibt 1851 in den „Parerga und Paralipomena“ (Band 2, § 291), Lesen heiße „mit einem fremden Kopfe, statt mit dem eigenen, denken“, und begründet damit, warum zu viel Lektüre das eigene Denken verdrängt. Die erste Aussage steht im Raum. Die zweite hat einen Urheber, ein Werk, ein Jahr und einen Grund, warum sie da steht. Genau das ist der Unterschied zwischen einem eingestreuten und einem integrierten Zitat. Wer Zitate in Texte integrieren will, braucht ein Verfahren, das jedes Mal funktioniert. Hier ist eines mit drei Schritten, das für die Bachelorarbeit und jede wissenschaftliche Arbeit genauso gilt wie für den Blogartikel: richtig zitieren, ohne dass Ihre Arbeit zur Collage wird.
Die 3-E-Regel: Einleiten, Einbetten, Erklären
Die Regel ist eine Merkhilfe, keine Norm. Sie fasst zusammen, was Zitierleitfäden von Universitäten und Lektoraten übereinstimmend verlangen.

Einleiten: Wer sagt es, wo und wann?
Ein Zitat ohne Einleitung wirkt wie ein Gast, den niemand vorgestellt hat. Nennen Sie deshalb vor dem Zitat den Autor und, wenn es die Textsorte erlaubt, das Werk oder das Jahr. Ein Verb, das die Haltung der Quelle beschreibt, hilft beim Einordnen: schreibt, betont, warnt, räumt ein, widerspricht.
Beispiel: Müller (2019, S. 12) warnt davor, dass „jede Statistik nur so gut ist wie die Frage, die ihr zugrunde liegt“.
Einbetten: Das Zitat muss grammatisch in Ihren Satz passen
Das ist der Schritt, an dem die meisten Arbeiten scheitern. Ein direktes Zitat ist ein wörtliches Zitat: Es übernimmt den Wortlaut Wort für Wort, so wie er in der Originalquelle steht, Ihre Formulierung drumherum darf sich aber ändern. Passen Sie also Ihren Satz an, nicht das Zitat. Wenn das nicht geht, greifen Sie zur eckigen Klammer: „[Die] Statistik“ statt „Statistik“, wenn der Artikel fehlt. Weitere Regeln für das Einbetten:
- Doppelte Anführungszeichen für das Zitat, einfache Anführungszeichen für ein Zitat im Zitat: „Er nannte es ‚eine Frage der Ehre‘ und ging.“ Beispiel aus der Praxis: Müller zitiert Schmidt, also steht Schmidts Aussage in einfachen Zeichen.
- Deutsche Anführungszeichen stehen unten und oben („…“), amerikanische oben und oben („…“). Entscheiden Sie sich einmal und bleiben Sie dabei.
- Ab etwa drei Zeilen wird das Zitat zum Blockzitat: neuer Absatz, eingerückt, ohne Anführungszeichen, kleinere Schrift.
- Der Punkt steht nach der Quellenangabe, nicht davor: „… zugrunde liegt“ (Müller 2019, S. 12).
Erklären: Was folgt aus dem Zitat?
Nach dem Zitat gehört mindestens eine Aussage in eigenen Worten, die sagt, was der Leser daraus mitnehmen soll. Erst dieser Satz bindet die fremde Stimme an Ihren eigenen Text. Sonst haben Sie nur abgeschrieben. Im Beispiel: Für die Auswertung Ihrer Umfrage bedeutet das, die Fragestellung offenzulegen, bevor Zahlen genannt werden.

Direktes oder indirektes Zitat: Wann eignet sich was?
Die 3-E-Regel gilt für beide Formen. Sinngemäße, also indirekte Zitate tragen den größeren Teil jeder Arbeit; der Unterschied zum wörtlichen liegt in der Kennzeichnung.
| Direktes, wörtliches Zitat | Indirektes, sinngemäßes Zitat | |
|---|---|---|
| Wann | Die Formulierung ist selbst wichtig: Definitionen, Gesetzestexte, prägnante Sätze | Sie brauchen nur den Inhalt, nicht den Wortlaut |
| Kennzeichnung | Mit Anführungszeichen gekennzeichnet, exakter Wortlaut | Kein Anführungszeichen, Konjunktiv oder „laut“, Quellenangabe mit „vgl.“ |
| Beispiel | Müller (2019, S. 12) schreibt: „Jede Statistik ist nur so gut wie die Frage.“ | Müller weist darauf hin, dass die Qualität einer Statistik von der Fragestellung abhänge (vgl. Müller 2019, S. 12). |
| Anteil im Text | sparsam | der Normalfall |
In wissenschaftlichen Arbeiten sollten indirekte Zitate überwiegen. Eine Hausarbeit, die zu einem Drittel aus wörtlichen Zitaten besteht, wirkt wie eine Collage. Besonders bei Definitionen und Gesetzestexten ist das wörtliche Zitat dagegen die richtige Wahl, weil es in diesem Fall auf jedes Wort ankommt. Als Faustregel gilt: ein direktes Zitat pro Seite, mehr nur bei Textanalysen, in denen der Wortlaut selbst das Thema ist. Wer richtig zitiert, verwendet das wörtliche Zitat als Beleg für die eigene Argumentation, nicht als Ersatz dafür. Im Zweifelsfall gilt: Inhalt in eigenen Worten wiedergeben und mit Verweis auf die Quelle belegen.
Kürzen und ergänzen, ohne zu verfälschen
Zitate dürfen gekürzt werden, wenn der Sinn erhalten bleibt und die Änderung gekennzeichnet ist. Dafür gibt es feste Zeichen:
- Auslassung: drei Punkte in eckigen Klammern […]. Nie am Anfang oder Ende eines Zitats, nur mittendrin.
- Ergänzungen und grammatische Anpassungen: in eckigen Klammern, etwa „[der Autor]“ statt „er“.
- Fehler im Original: mit [sic] direkt hinter dem Fehler kennzeichnen. Sie korrigieren nicht, Sie zeigen nur, dass Sie es gesehen haben.
- Eigene Hervorhebung: „Hervorhebung durch den Verfasser“ in die Quellenangabe. Hervorhebungen des Originals werden übernommen und als solche vermerkt.
Beispiel für eine gekürzte Stelle: Müller (2019, S. 12) schreibt, „jede Statistik […] ist nur so gut wie die Frage“. Die Auslassung ist gekennzeichnet, der Sinn bleibt, und der Verweis nennt die genaue Seite.
Der Leitfaden der Universität zu Köln zu direkten Zitaten fasst diese Regeln für Hausarbeiten kompakt zusammen und nennt drei Bedingungen für jedes wörtliche Zitat: Anführungszeichen, keine unmarkierten Änderungen, Fußnote mit Seitenangabe.
Quellenangabe: deutsche oder amerikanische Zitierweise
Wie die Quelle im Text erscheint, hängt vom Zitierstil ab. Ein Verweis im Text und der Vollbeleg im Literaturverzeichnis gehören zusammen; fehlt eines von beiden, gilt die Stelle als nicht belegt. Die beiden verbreitetsten Stile:
- Deutsche Zitierweise: Fußnote mit hochgestellter Ziffer, Vollbeleg beim ersten Mal, Kurzbeleg danach. Üblich in Geschichte, Jura und Germanistik.
- Amerikanische Zitierweise (Harvard, APA): Kurzverweis in Klammern direkt im Text, etwa (Müller 2019, S. 12), also Nachname, Jahr und Seite, Vollbeleg nur im Literaturverzeichnis. Üblich in Wirtschaft, Psychologie, Naturwissenschaften.
Welchen Zitierstil Sie wählen, ist zweitrangig. Wichtig ist ein einheitlicher Zitierstil im ganzen Text. Wer mitten in der Arbeit wechselt, verliert bei der Korrektur mehr Punkte als durch ein fehlendes Komma. Auch Informationen aus Interviews, Websites oder Vorlesungen brauchen einen Verweis. Und wer das Zitieren ganz vergisst, hat ein Problem: Dann handelt es sich um ein Plagiat, auch ohne Absicht.
Zwei Sonderfälle: Ein Sekundärzitat, also ein Zitat, das Sie nicht in der Originalquelle, sondern bei einem anderen Verfasser gefunden haben, wird mit „zit. nach“ gekennzeichnet. Sekundärzitate sollten die Ausnahme bleiben, weil sich Fehler in der Wiedergabe fortpflanzen; im Zweifelsfall besorgen Sie sich das Original. Und eine Hervorhebung im Original wird mit „Herv. im Original“ vermerkt, damit niemand denkt, Sie hätten sie gesetzt.

Zitate außerhalb der Wissenschaft: Blog, Rede, Trauerkarte
Die 3-E-Regel gilt auch dort, wo niemand Fußnoten erwartet. Ein Blogartikel kommt ohne Seitenzahl aus, aber nicht ohne Autor und Werk. Rechtlich erlaubt § 51 des Urheberrechtsgesetzes das Zitieren geschützter Texte, wenn das Zitat einen Beleg- oder Erörterungszweck erfüllt und die Quelle genannt wird. Ein Songtext als reine Dekoration unter einem Foto fällt nicht darunter; wie das bei Musikzeilen im Einzelnen aussieht, zeigt unser Beitrag über Beatles Zitate mit Quellenangabe.
In einer Rede ersetzt die Stimme die Anführungszeichen: Pause davor, Pause danach, Autor vorher genannt. Belegte Sätze dafür finden Sie in unserer Sammlung mit Rhetorik Zitaten von Cicero bis Twain. Und bei einer Trauerkarte oder Traueranzeige darf ein Gedicht vollständig stehen, wenn der Dichter seit mehr als 70 Jahren tot ist; passende Texte haben wir unter Gedichte für Trauerfeiern zusammengestellt.
Checkliste: Was Sie vor dem Absenden beachten sollten
Bevor Sie abgeben, prüfen Sie jedes Zitat mit den folgenden Fragen:
- Autor genannt, Werk oder Jahr genannt?
- Wortlaut mit dem Original verglichen, Seitenzahl notiert?
- Grammatisch in den eigenen Satz eingepasst?
- Anführungszeichen einheitlich, Zitat im Zitat mit einfachen Zeichen?
- Kürzungen mit […], Ergänzungen in eckigen Klammern, Fehler mit [sic]?
- Ein Satz von Ihnen nach dem Zitat, der es einordnet?
- Zitierstil im ganzen Text derselbe?
- Direkte Zitate sparsam, indirekte mit „vgl.“ belegt?
- Zitiert wird nur, was die eigene Argumentation trägt?
Wenn alle neun Punkte stimmen, trägt das Zitat Ihren Text, statt ihn zu unterbrechen.

