Begeisterung Sprüche haben eine Eigenart: Sie stammen fast alle von Leuten, die das Wort mit Vorsicht benutzten. Goethe verglich das Feuer mit Heringen, Kant mit einem Affekt, Ambrose Bierce mit einer Kinderkrankheit. Wer einen Spruch für eine Rede, eine Glückwunschkarte oder ein Teammeeting sucht, sollte deshalb wissen, welche Sorte gemeint ist. Dieser Beitrag stellt die wichtigsten Weisheiten zum Thema einander gegenüber, mit Quelle, und zeigt, wo das Feuer aufhört und Fanatismus beginnt.
Begeisterung, Enthusiasmus, Fanatismus: drei Wörter, drei Zustände
Was ist der Unterschied zwischen Begeisterung und Enthusiasmus? Sprachlich zunächst keiner. Enthusiasmus kommt aus dem Griechischen (enthousiasmós, „von einem Gott erfüllt“), das deutsche Wort ist die Lehnübersetzung: Ein Geist fährt in einen Menschen. Im Gebrauch haben sich die beiden aber getrennt, und der Fanatismus steht als dritter Zustand daneben.
| Zustand | Richtung | Dauer | Typischer Satz |
|---|---|---|---|
| Begeisterung | auf eine Sache | Stunden bis Jahre | Goethe: „keine Heringsware“ |
| Enthusiasmus | auf eine Idee | oft ein Leben lang | Emerson: „Nichts Großes …“ |
| Fanatismus | gegen andere | bis zur Erschöpfung | Bierce: „Kinderkrankheit“ |
Die Tabelle ist grob, hilft aber beim Sortieren: Ein Spruch über die Freude an einem Hobby ist etwas anderes als ein Satz über die Idee, für die jemand sein Leben einsetzt.
Goethe: frische Ware, die schnell verdirbt
> „Begeisterung ist keine Heringsware, die man einpökelt auf einige Jahre.“
> Johann Wolfgang von Goethe, Zahme Xenien
Was sagte Goethe über Begeisterung? Vor allem dies: Sie hält nicht. Die beiden Zeilen stehen am Ende eines Epigramms, das den Enthusiasmus mit einer Auster vergleicht, die man frisch essen muss.
Der Satz taugt als Warnung für jedes Projekt: Der Schwung des Anfangs ist ein Vorrat, der schnell verdirbt. Wer ihn nicht in Gewohnheit umwandelt, hat nach einigen Wochen nur noch den Geruch davon.

Emerson: Ohne sie entsteht nichts Großes
> „Nothing great was ever achieved without enthusiasm.“
> Ralph Waldo Emerson, Essay „Circles“, in: Essays, First Series, 1841
Was sagte Emerson über Begeisterung? Das Gegenteil, auf den ersten Blick. Der Satz „Nichts Großes ist je ohne Begeisterung geschaffen worden“ ist der meistzitierte Satz zum Thema überhaupt, und meist wird es aus dem Zusammenhang gerissen. Im Essay „Circles“ geht es um die Fähigkeit, das Bisherige zu überschreiten. Enthusiasmus ist für den Amerikaner die Kraft, die einen Menschen aus seinem Kreis hinausträgt, in die Höhe und über sich selbst hinaus. Der ganze Essay ist im Volltext der „Essays, First Series“ im Project Gutenberg nachzulesen.
Neu war der Gedanke allerdings nicht. Rund 60 Jahre früher hatte der Dichter und Theologe Johann Gottfried Herder in ähnlichem Ton geschrieben: „Ohne Begeisterung geschah nichts Großes und Gutes auf der Erde; die man für Schwärmer hielt, haben dem menschlichen Geschlecht die nützlichsten Dienste geleistet.“ Eine belastbare Stellenangabe für diesen Satz fehlt in den Werkausgaben, er kursiert nur in Zitatsammlungen; wer ihn in einer Rede verwendet, sollte das dazusagen.
Die beiden widersprechen sich weniger, als es scheint. Der eine sagt, dass Großes mit ihr beginnt. Der andere sagt, dass sie allein nicht reicht. Beides stimmt, und beides zusammen ist eine brauchbare Anleitung: anfangen, solange die Ware frisch ist, und dann arbeiten. So erreichen Menschen, was sie sich vorgenommen haben.
Kant: eine Idee mit Gefühl
> „Die Idee des Guten mit Affekt heißt Enthusiasm. Dieser Gemütszustand scheint erhaben zu sein, dermaßen, dass man gemeiniglich vorgibt, ohne ihn könne nichts Großes ausgerichtet werden.“
> Immanuel Kant, Kritik der Urteilskraft, § 29, 1790
Kant liefert die nüchternste Definition. Enthusiasmus ist eine richtige Idee plus ein starkes Gefühl. Das Gefühl allein ist noch kein Enthusiasmus, und die Idee allein ist nur ein Gedanke. Bemerkenswert ist der zweite Satz: Kant kennt das Argument des Amerikaners schon 50 Jahre vorher und hält es für eine Behauptung, die man „gemeiniglich vorgibt“. Er lässt offen, ob sie stimmt.
Für die Praxis ergibt sich daraus eine Frage, die Sie jedem Schub stellen können, der Sie gerade begeistert: Welche Idee steckt dahinter? Wenn die Antwort fehlt, ist es Stimmung, kein Enthusiasmus.
Ebner-Eschenbach: Wem sie Ehre macht
> „Begeisterung spricht nicht immer für den, der sie erweckt, und immer für den, der sie empfindet.“
> Marie von Ebner-Eschenbach, Aphorismen, 1893
Dieser Satz ist der klügste in der Sammlung, weil er die Richtung umdreht. Wir bewundern die Leute, die andere mitreißen: Redner, Trainer, Gründer. Die Aphoristikerin sagt: Die Fähigkeit, sich begeistern zu lassen, ist die eigentliche Auszeichnung. Wer sie hat, ist offen, mit Herz und Seele bei der Sache. Der Erwecker kann auch ein Scharlatan sein.
Von derselben Autorin stammt der Satz „Verständnis des Schönen und Begeisterung für das Schöne sind eins“, ebenfalls aus den Aphorismen. Schönheit erkennt demnach nur, wer sich auf sie einlässt: Das Feuer ist keine Laune, sondern eine Form von Verstehen. Wer eine Sache wirklich durchdringt, wird von ihr ergriffen.
Bierce: Die Gegenstimme
> „Enthusiasmus: eine Krankheit der Jugend, heilbar durch kleine Dosen Reue in Verbindung mit äußerlicher Anwendung von Erfahrung.“
> Ambrose Bierce, The Devil’s Dictionary, 1911
Bierce, amerikanischer Satiriker, verspottet das Feuer als Kinderkrankheit. Der Satz gehört in jede Sammlung, weil er die Grenze zum Fanatismus markiert: Wer keine Erfahrung mehr an sich heranlässt, ist nicht mehr begeistert, sondern verbohrt. Marie von Ebner-Eschenbach hat die Grenze in einem Satz gezogen: „Geistlose kann man nicht begeistern, aber fanatisieren kann man sie.“ Wo der Verstand fehlt, füllt der Fanatismus die Lücke, und die Energie, die dabei frei wird, richtet sich gegen andere. Das ist kein Grund, das Brennen aufzugeben. Wer jung ist, darf sich irren; wer älter wird, sollte sich die Bereitschaft dazu erhalten. Sonst bleibt am Ende eine Welt ohne Wunder, bewohnt von lauter Geistlosen.

Wie kann man Begeisterung wecken?
Die fünf Stimmen liefern, zusammengenommen, eine Antwort auf die Frage, die am häufigsten gestellt wird. Das Feuer entsteht nicht durch Appelle. Es entsteht in vier Schritten:
- Eine Idee, die es wert ist (Kant). Ohne Inhalt bleibt jede Motivationsrede ein Strohfeuer.
- Verständnis (Ebner-Eschenbach). Wer eine Sache begreift, beginnt sie zu mögen. Erklären Sie also, statt zu werben.
- Ein Anfang, solange der Schwung da ist (Circles). Der erste Schritt muss klein und sofort möglich sein.
- Eine Gewohnheit, bevor der Hering verdirbt (Zahme Xenien). Feste Zeiten, feste Orte, feste Partner.

Bei Kindern und Jugendlichen kommt ein fünfter Punkt hinzu: vorleben statt vorschreiben. Wer andere begeistern will, muss selbst begeistert sein, sonst merken es alle. Wer gerne bei einer Sache ist und diese Freude teilen kann, braucht keinen Spruch an der Wand. Darum stecken echte Lehrer an, und Plakate nicht.
Welche Zitate gibt es über Begeisterung? Eine Auswahl nach Anlass
| Anlass | Empfohlener Spruch | Warum |
|---|---|---|
| Projektstart im Team | „Nothing great …“ (Circles) | Zuspruch für den Anfang |
| Nach der ersten Ernüchterung | „Keine Heringsware“ (Zahme Xenien) | Erinnerung, aus Schwung Gewohnheit zu machen |
| Glückwunsch zum Abschluss | Ebner-Eschenbach, „… immer für den, der sie empfindet“ | Würdigt die Offenheit des Empfängers |
| Rede über ein Lebenswerk | Kant, „Idee des Guten mit Affekt“ | Verbindet Gefühl mit Substanz |
| Selbstironie | Bierce, „Krankheit der Jugend“ | Nimmt dem Pathos die Spitze |
Wer auf der Suche nach einem sportlichen Anlass ist, findet in den Training Zitaten Sätze, die Elan mit Disziplin verbinden. Für die leichtere Stimmung passen die Lebensfreude Zitate. Und wenn das Feuer gerade weg ist, weil etwas schiefgegangen ist, helfen die inspirierenden Zitate für die Krise mit Sätzen, die nichts beschönigen.
Empfehlung
Für die meisten Anlässe reicht ein Paar: „Circles“ für den Anfang, die Zahmen Xenien für die Dauer. Wer beide Sätze nebeneinander an die Wand hängt, hat die ganze Theorie auf zwei Zeilen. Wer lieber pathetisch schließt, nimmt Adolf von Wilbrandt: „Begeisterung ist alles! Gib einem Menschen alle Gaben der Erde, und nimm ihm die Fähigkeit der Begeisterung, und du verdammst ihn zum ewigen Tode.“ Der Satz läuft im Netz häufig unter falschem Namen, meist unter Goethes; er stammt aber vom Erzähler und Burgtheaterdirektor Wilbrandt (1837–1911). Der Rest ist, wie man in Weimar wusste, eine Frage der Haltbarkeit. Die wahre Kunst besteht darin, das Feuer über den ersten Winter zu bringen, und dafür braucht es keine Parolen, sondern Termine.

