Der erste Teil endete mit einem Mann, einer Frau und einem Manuskript in einer Thermosflasche. Der zweite beginnt damit, dass jemand diese Flaschenpost ernst nimmt. Ein Schiff läuft aus, um zwei Verschollene von einer Insel zu holen, die auf keiner brauchbaren Karte steht. „The People That Time Forgot“ von Edgar Rice Burroughs ist der Mittelteil der Caspak-Trilogie und der Band, in dem das Rätsel des ersten endlich aufgeht.
Drei Hefte, eine Geschichte
Die Entstehung erklärt die Bauform. Burroughs verkaufte den Stoff 1918 an das „Blue Book Magazine“, das ihn in drei Folgen brachte: im August, im Oktober und im Dezember desselben Jahres. Jede Folge hatte einen eigenen Titel und einen eigenen Erzähler, doch die Handlung läuft ohne Bruch durch. Erst im Juni 1924 fasste A. C. McClurg alle drei Teile zu einem Buch zusammen, unter dem Titel des ersten.
Seit den Taschenbüchern von Ace Books in den 1960er Jahren erscheinen die Folgen meist wieder getrennt. Das führt zu der Verwirrung, mit der jeder Leser einmal zu tun bekommt:
| Teil | Titel | Erzähler | Was er leistet |
|---|---|---|---|
| 1 | The Land That Time Forgot | Bowen J. Tyler jr. | führt nach Caprona, stellt das Rätsel |
| 2 | The People That Time Forgot | Tom Billings | löst das Rätsel, führt nach Norden |
| 3 | Out of Time’s Abyss | Bradley | klärt die Wieroos und das Ende |
Wer nur den zweiten Teil kauft, hält einen halben Roman in der Hand. Wer den Sammelband unter dem Titel des ersten Teils erwischt, hat alle drei.
Der Auftrag
Erzähler ist diesmal Tom Billings, Sekretär und rechte Hand im Hause Tyler. Nachdem die Flaschenpost gefunden ist, rüstet die Familie den Schoner „Toreador“ aus und segelt in die Südpolarmeere. Vor den senkrechten Klippen Capronas steht die Mannschaft vor demselben Problem wie Bowen Tyler zuvor: Es gibt keinen Landeplatz.
Billings hat ein zerlegtes Wasserflugzeug an Bord. Er setzt es zusammen, startet und fliegt allein über die Felswand, mit dem Auftrag, die Verschollenen zu finden. Über dem Binnenmeer greift ein Flugsaurier die Maschine an, sie geht zu Bruch, und der Flieger sitzt fest, mitten in einem Land voller Dinosaurier. Ab hier ist das Buch ein Fußmarsch.
Der Weg nach Norden
Die Geografie Caspaks ist zugleich seine Ordnung: Im Süden leben die primitivsten Stämme, je weiter man nach Norden kommt, desto entwickelter sind die Menschen. Der Abgestürzte landet ungefähr in der Mitte und muss durch alle Stufen hindurch.
- Er rettet ein Mädchen vor einer Raubkatze. Sie heißt Ajor, spricht eine Sprache aus wenigen hundert Wörtern und gehört zu den Galu, dem höchsten Volk im Norden.
- Ajor bringt ihm die Sprache bei; er bringt ihr das Schießen bei. Aus dem Sprachunterricht wird die eigentliche Handlung, denn alles, was er über Caspak erfährt, erfährt er von ihr.
- Beide ziehen nordwärts durch das Gebiet der Bo-lu und Sto-lu, der Keulen- und Beilmenschen.
- Bei den Band-lu, den Speermenschen, wird der Fremde gefangen und in einer Höhle festgesetzt. Ajor holt ihn heraus.
- To-mar und So-al, ein Paar aus diesem Stamm, steigen währenddessen zu Kro-lu auf, zu Bogenmenschen. Die beiden geleiten die Fremden weiter.

Das Geheimnis von Caspak
Im ersten Band fiel dem Erzähler auf, dass es auf der Insel keine Kinder gibt. Hier kommt die Erklärung, und sie ist so eigenwillig wie das ganze Buch.
Die Frauen aller Stämme gehen regelmäßig an das Wasser und legen dort ihre Eier ab. Der Strom trägt sie nach Süden, in die warmen Tümpel am unteren Ende der Insel. Was daraus schlüpft, beginnt als Kaulquappe und arbeitet sich in einem einzigen Leben durch die Stufen nach oben: Ho-lu, Alu, Bo-lu, Sto-lu, Band-lu, Kro-lu, Galu. Wer eine Stufe erreicht, wandert ein Stück weiter nach Norden. Was in der übrigen Welt Millionen Jahre und ungezählte Generationen braucht, durchläuft auf Caspak jedes Individuum selbst.
Zwei Begriffe muss man kennen:
- cor-sva-jo heißt „von Anfang an“ und bezeichnet alle, die den vollen Weg aus den Tümpeln heraufgekommen sind. Das ist die Regel.
- cos-ata-lo heißt sinngemäß „Frau, die nicht aus dem Ei kam“. Gemeint ist eine Galu, die als Kind geboren wurde. Das ist die Ausnahme, und sie ist selten.
Ajor ist eine cos-ata-lo, Tochter des Galu-Häuptlings Jor. Damit ist sie für die Insel kostbar und für ihre Feinde ein Ziel, denn wer sie besitzt, hat Aussicht auf Nachkommen, die nicht mehr den ganzen Weg gehen müssen. Der Name ihres Gottes gehört zur selben Logik: Luata, aus lua für Sonne und ata für Ei, Leben und Fortpflanzung.

Du-seen, ein Pferd und die Entscheidung
Der Gegenspieler ist Du-seen, ein Galu, der Ajor für sich beansprucht und sich dafür mit dem Feind verbündet. Billings‘ Antwort ist eine der schönsten Ideen des Buches: Er fängt und zähmt ein kleines urzeitliches Pferd, das er Ace tauft, und reitet damit los. Auf Caspak hat noch nie jemand ein Tier geritten; allein der Anblick verschafft ihm den Vorsprung, den er braucht.

Am Ende steht kein Rückflug. Billings bleibt bei Ajor, und die Handlung übergibt an den dritten Teil, in dem sich klärt, was aus dem englischen Leutnant Bradley und seiner Erkundungsgruppe geworden ist.
Ausgaben, Verfilmung und Lesehinweise
Auf Deutsch übersetzte Christoph Weber alle drei Teile. Der Kranichborn-Verlag brachte sie 1997 als Sammelband „Caprona: Im Reich der Dinosaurier“, im Dezember 2000 erschien dieselbe Übersetzung bei Blitz. Die deutschen Einzeltitel lauten „Das vergessene Land“, „Im vergessenen Land“ und „Flucht aus dem vergessenen Land“. Im Buchhandel liegen sie nicht mehr, antiquarisch tauchen sie regelmäßig auf.
Verfilmt wurde der Stoff 1977 von Kevin Connor für die britische Amicus Productions, als Fortsetzung des Films von 1975. Auch diese Fassung lässt das Evolutionssystem weitgehend weg und behält vor allem die Dinosaurier; im deutschen Verleih lief sie als „Caprona: Die Rückkehr der Dinosaurier“.
Ein paar nüchterne Hinweise zum Schluss:
- Rund 40.000 Wörter, unkompliziertes Englisch, kurze Kapitel. An zwei Abenden zu schaffen.
- Wer wegen der Dinosaurier kommt, wird bedient: Saurier tauchen auf fast jeder Etappe auf, ohne dass die Handlung stehenbleibt.
- Lesen Sie zuerst [The Land That Time Forgot](/etext/551/). Ohne den ersten Teil fehlt Ihnen die halbe Voraussetzung.
- Danach folgt [Out of Time’s Abyss](/etext/553/). Erst dort schließt sich der Kreis um Bradley und die geflügelten Wieroos.
- Der Text stammt aus dem letzten Kriegsjahr. Über Herkunft und Rang von Menschen wird darin in einem Ton geredet, der heute zu Recht anstößt.
Interessant bleibt der Band als Gedankenexperiment. Burroughs nimmt die damals populäre Lehre, jedes Individuum durchlaufe die Entwicklung seiner Art, beim Wort und baut daraus eine Insel mit eigener Biologie, eigener Geografie und eigener Religion. Das ist mehr Weltentwurf, als das Etikett Abenteuerheft vermuten lässt.
Der englische Text ist gemeinfrei und vollständig verfügbar: Volltext im Project Gutenberg. Was Gemeinfreiheit im Einzelnen bedeutet, erklärt unsere Seite zur [Lizenz des Project Gutenberg](/license/); weitere vorgestellte Titel stehen in der [Digitalen Bibliothek](/etext/).
