Zwei Bände lang war eine Frage offen geblieben: Was geschah mit dem englischen Leutnant Bradley, der aus Fort Dinosaur aufbrach und nicht zurückkam? „Out of Time’s Abyss“ beantwortet sie, und die Antwort führt an einen Ort, den die beiden Vorgänger nur angedeutet hatten. Der dritte Band der Caspak-Trilogie ist der düsterste der drei und der einzige, der als Schauerroman gelesen werden kann.
Wo setzt der dritte Band ein?
Am 4. September 1916 verlässt Bradley das Fort am Westufer des Binnensees mit vier Begleitern: Sinclair, Brady, James und Tippet. Der Auftrag lautet, die Steilküste nach einer Stelle abzusuchen, an der man sie erklimmen kann. Der Trupp marschiert nach Nordwesten, überlebt einen Höhlenbären und trifft auf die Speermenschen der Band-lu.
Dann kommt, was in den ersten beiden Bänden nur als Schatten am Himmel vorkam: ein großes, weiß gekleidetes Wesen mit Flügeln. Es fliegt über die Männer hinweg, und keiner von ihnen begreift zunächst, was er da sieht. Wenig später wird Bradley im Schlaf gepackt und über den See davongetragen.
Wer sind die Wieroo?
Die Wieroo sind geflügelte Menschen, die Insel Oo-oh im Binnenmeer von Caspak bewohnen und in den ersten beiden Bänden nur als Gerücht auftauchen. Bradley ist der erste Erzähler der Reihe, der ihre Stadt von innen sieht.
Was er dort vorfindet:
- Häuser, wahllos übereinandergestapelt, an manchen Stellen hundert Fuß hoch, dazwischen kurze, krumme Gassen, in die kein Licht fällt.
- Dächer, teils schüsselförmig zum Auffangen von Regenwasser, teils mit einer Öffnung, durch die die Bewohner hinein- und hinausfliegen. Türen im gewohnten Sinn gibt es kaum.
- Überall Stangen mit aufgesteckten menschlichen Schädeln, dazu ein runder Turm, der ganz aus Schädeln besteht.
- In der Mitte ein Bau von dreißig Metern Höhe, gekrönt von einem weit überstehenden, schüsselförmigen Dach.
An der Spitze steht ein Herrscher mit dem Titel „Him Who Speaks for Luata“, der für den Gott Luata spricht. Wie die Wieroo sich selbst sehen, sagt der erste, der Bradley verhört:
„We are Wieroos—Luata is our father. Caspak is ours. This, our country, is called Oo-oh. We brought you here for (literally) Him Who Speaks for Luata to gaze upon and question. He would know from whence you came and why; but principally if you be cos-ata-lu.“
Bradley fragt zurück, was passiert, wenn er dieses cos-ata-lu nun einmal nicht sei. Der Wieroo zuckt mit den Flügeln und zeigt auf die menschlichen Schädel, die die Decke tragen. Dann fügt er hinzu: „And possibly if you are.“ Der Zustand des Volkes hat einen handfesten Grund: Unter den Wieroo werden keine weiblichen Wesen mehr geboren.

Was ist die Blaue Stätte der sieben Schädel?
Bradley wird gefangen und in ein Verlies gebracht, das die Wieroo „the Blue Place of Seven Skulls“ nennen: ein quadratisches blaues Gebäude, dessen Dach sieben Stangen mit sieben Schädeln tragen. Der Gefangene wird an einem Fußseil kopfüber durch die Dachluke hinabgelassen, dann fällt das Gitter zu.
Im Dunkeln ist er nicht allein. Aus einem Haufen Lumpen erhebt sich ein Mensch, der seit Jahren dort sitzt und nur noch drei Worte kennt:
„Food! Food! There is a way out!“
Der Mann heißt An-Tak und gehört zu den Galu. Er weiß nicht mehr, wie lange er eingesperrt ist, vielleicht zehn Monde, vielleicht dreißig. Am Leben hält er sich von Eidechsen und Ratten; Wasser bekommt er einmal am Tag. Getötet wurde er nicht, weil die Wieroo etwas von ihm wollen. Diese Passage ist der stärkste Abschnitt der ganzen Trilogie und hat mit Abenteuerliteratur nur noch wenig zu tun.
Was bedeutet cos-ata-lu?
An-Tak ist cos-ata-lu, und darum lebt er noch. Der Begriff bezeichnet einen Menschen, der als Kind geboren wurde, statt den üblichen Weg durch die warmen Tümpel im Süden der Insel zu nehmen. Auf Caspak ist das die große Ausnahme: Normalerweise legen die Frauen aller Stämme ihre Eier ins Wasser, und was daraus schlüpft, arbeitet sich im Lauf eines einzigen Lebens durch alle Entwicklungsstufen nach Norden.
Erst in diesem Band erklärt jemand das System vollständig. An-Tak beschreibt die sieben Zyklen, die vergehen müssen, bis in einer Galu-Familie tatsächlich ein Kind geboren wird, und was auf dem Weg alles schiefgehen kann. Die Wieroo foltern ihn, weil sie das Geheimnis wollen. Ohne geborene Weibchen sterben sie aus, und ein Volk aus geflügelten Männern hat keine Zukunft.
Damit hat Burroughs seinen Weltentwurf zu Ende gedacht. Was im ersten Band als seltsame Beobachtung begann, dass es auf der Insel keine Kinder gibt, ist am Schluss ein geschlossenes biologisches und religiöses System.

Wie hängen die drei Bände zusammen?
Burroughs verkaufte den Stoff 1918 an das „Blue Book Magazine“, das ihn in drei Folgen brachte: im August, im Oktober und im Dezember. Jede Folge hat einen eigenen Titel und einen eigenen Erzähler, die Handlung läuft aber ohne Bruch durch.
| Band | Titel | Erzähler | Schauplatz |
|---|---|---|---|
| 1 | The Land That Time Forgot | Bowen J. Tyler jr. | U-33, Küste, Fort Dinosaur |
| 2 | The People That Time Forgot | Tom Billings | der Weg nach Norden durch die Stämme |
| 3 | Out of Time’s Abyss | Bradley | die Wieroo-Insel Oo-oh |
Im Juni 1924 fasste A. C. McClurg alle drei Teile in einem Band zusammen, unter dem Titel des ersten. Seit den Ace-Taschenbüchern der 1960er Jahre erscheinen sie meist wieder getrennt; die Ace-Ausgabe des dritten Teils von 1963 hat 125 Seiten, das Titelbild stammt von Roy Krenkel. Wer nur diesen einen Band kauft, hält also ein Drittel eines Romans in der Hand.
Wie endet die Trilogie?
Bradley bricht aus dem Verlies aus, findet unter der Stadt einen Fluss und flieht mit Co-Tan, einer jungen Galu, die er im Haus eines Wieroo entdeckt. Die beiden schlagen sich zur Galu-Küste durch und stoßen dort auf die Überlebenden der beiden ersten Bände.
Das Ende führt zurück zum Anfang. Das deutsche Unterseeboot U-33, das die ganze Reihe in Gang gesetzt hat, wird instand gesetzt, und die Gestrandeten verlassen Caspak auf demselben Weg, auf dem sie gekommen sind. Bradley nimmt Co-Tan mit. Verfilmt wurde dieser Teil nie: Die Amicus-Produktionen von 1975 und 1977 verarbeiten nur die ersten beiden Bände, die Wieroo blieben außen vor.

Welche Ausgaben gibt es auf Deutsch?
Alle drei Teile hat Christoph Weber übersetzt. Der Kranichborn-Verlag brachte sie 1997 als Sammelband „Caprona: Im Reich der Dinosaurier“ heraus, im Dezember 2000 erschien dieselbe Übersetzung bei Blitz. Der deutsche Titel dieses Bandes lautet „Flucht aus dem vergessenen Land“. Im Buchhandel sind die Ausgaben nicht mehr lieferbar, antiquarisch tauchen sie regelmäßig auf.
Zum Schluss ein paar Hinweise:
- Der Band umfasst rund 36.000 Wörter in fünf Kapiteln und ist an einem Abend zu schaffen.
- Lesen Sie ihn nicht zuerst. Ohne die beiden Vorgänger fehlen Ihnen die Figuren, die am Ende zusammenkommen.
- Wer Dinosaurier erwartet, bekommt hier weniger davon als in den ersten beiden Teilen. Dafür bekommt er die einzige echte Horrorszene der Reihe.
- Der Text stammt aus dem letzten Kriegsjahr und redet über Herkunft und Rang von Menschen in einem Ton, der heute zu Recht anstößt.
Der englische Text ist gemeinfrei und vollständig abrufbar: Volltext im Project Gutenberg. Was Gemeinfreiheit im Einzelnen bedeutet, erklärt unsere Seite zur Lizenz des Project Gutenberg; weitere vorgestellte Titel stehen in der Digitalen Bibliothek.
