Als der erste Teil im Februar 1912 im Magazin *The All-Story* erschien, stand ein Pseudonym darunter: Normal Bean. Der Setzer hielt das für einen Fehler und machte Norman Bean daraus. Hinter dem Namen steckte ein 36-jähriger Amerikaner, der als Bleistiftspitzer-Vertreter gescheitert war und beschlossen hatte, dass er die Geschichten in den Groschenheften auch selbst schreiben könne. Der Text hieß damals *Under the Moons of Mars*. Fünf Jahre später kam er als Buch heraus, unter dem Titel, den heute jeder kennt: *A Princess of Mars*, auf Deutsch *Eine Prinzessin vom Mars*.
Ein Erstling, der die Karriere startete
*A Princess of Mars* war die erste veröffentlichte Erzählung von Edgar Rice Burroughs und die einzige, die zunächst unter falschem Namen lief. *The All-Story* druckte sie zwischen Februar und Juli 1912 in sechs Folgen. Der Erfolg war so deutlich, dass Burroughs im selben Jahr *Tarzan of the Apes* nachlegte. Tarzan wurde die bekanntere Marke, doch der Mars kam zuerst, und Burroughs schrieb an beiden Serien jahrzehntelang parallel weiter. Die Buchausgabe von *A Princess of Mars* brachte A. C. McClurg in Chicago 1917 heraus, in der ursprünglichen, ungekürzten Fassung.
Der Roman beginnt mit einem Kunstgriff, der bis heute funktioniert: Ein Erzähler namens Edgar Rice Burroughs behauptet im Vorwort, das folgende Manuskript stamme von einem Freund der Familie, den er als Kind Onkel Jack nannte. Dieser Captain John Carter altert nicht, erinnert sich an keine Kindheit und hinterlässt eine Handschrift mit der Auflage, sie erst nach seinem Tod zu öffnen.
Was auf Barsoom geschieht
John Carter, Kavallerieoffizier der Konföderierten und nach dem Bürgerkrieg Goldsucher in Arizona, flieht vor Apachen in eine Höhle. Dort verliert er das Bewusstsein und findet sich auf dem Mars wieder, den seine Bewohner Barsoom nennen. Die geringere Schwerkraft macht ihn dort zum Springer und Kämpfer, dem kaum jemand gewachsen ist.
Die 28 Kapitel führen ihn durch drei Stationen:
- Bei den Tharks. Die grünen Marsianer sind über vier Meter groß, haben vier Arme und leben ohne Familie und ohne Mitgefühl in Kriegerhorden. Carter gewinnt ihren Respekt im Zweikampf. Der Krieger Tars Tarkas wird sein wichtigster Verbündeter, die Frau Sola seine Beschützerin, und ein Calot namens Woola folgt ihm wie ein Hund.
- Dejah Thoris. Beim Überfall auf ein Luftschiff geraten die Tharks an eine Gefangene: Dejah Thoris aus der roten Marsstadt Helium. Carter verliebt sich in sie und wird in einen Krieg zwischen Helium und der Rivalenstadt Zodanga gezogen, deren Thronfolger Sab Than sie heiraten will.
- Die Atmosphärenfabrik. Der sterbende Planet hängt an einer einzigen Anlage, die die Luft erneuert. Als ihr Wärter stirbt und niemand das telepathische Codewort für die Tür kennt, wird Carters Wissen zur letzten Rettung des Planeten. Der Preis dafür schließt den Roman ab.

Die Begriffe, die Sie kennen sollten
Burroughs erfindet für den Mars ein Vokabular, das in allen weiteren Bänden wiederkehrt.
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| Barsoom | der Marsname für den eigenen Planeten |
| Jeddak | Herrscher eines Volkes oder einer Stadt |
| Thark | Horde der grünen Marsianer, der Tars Tarkas angehört |
| Helium | Stadtstaat der roten Marsianer, Heimat der Titelfigur |
| Zodanga | Helium feindlich gesinnte Stadt der roten Marsianer |
| Thoat | achtbeiniges Reittier |
| Calot | zehnbeiniges Wachtier, Woola ist eines |
| Radium-Gewehr | Fernwaffe der Marsianer mit explosiven Geschossen |

Warum dieses Buch bis heute nachwirkt
Der Roman erfand keine Rakete und keine Raumfahrttechnik. Er erfand eine Erzählform: einen Helden von der Erde, der auf einem fremden Planeten in fremde Politik gerät, mit Schwertkampf, Stadtstaaten und einer Königstochter. Die Literaturwissenschaft nennt dieses Muster planetary romance, und *A Princess of Mars* gilt als sein Gründungstext.
Die Liste derer, die Burroughs als Anstoß nennen, ist lang. Ray Bradbury, Arthur C. Clarke, Robert A. Heinlein und Jack Vance gehören dazu. Bradburys *Die Mars-Chroniken* von 1950 spielen auf einem sterbenden Mars, wie ihn Burroughs entworfen hatte. Auch außerhalb der Literatur wirkte die Serie: Der Astronom Carl Sagan las die Barsoom-Bücher als Kind, lange bevor er an der Suche nach außerirdischem Leben arbeitete.
Verfilmt wurde der Stoff zweimal. 2009 brachte das Studio The Asylum eine Billigproduktion unter der Regie von Mark Atkins heraus. 2012 folgte Disneys *John Carter*, in Deutschland als *John Carter: Zwischen zwei Welten*, Regie führte der Pixar-Mann Andrew Stanton. Der Film kam genau hundert Jahre nach dem Zeitschriftenabdruck in die Kinos und wurde einer der teuersten Kinoflops der Filmgeschichte, was der Vorlage nichts anhaben konnte.
Die Reihenfolge der Mars-Romane
Barsoom wuchs über elf Bücher. Die ersten vier bilden den Kern und sollten in dieser Folge gelesen werden:
| Band | Originaltitel | Erstdruck | Buchausgabe |
|---|---|---|---|
| 1 | A Princess of Mars | 1912 | 1917 |
| 2 | The Gods of Mars | 1913 | 1918 |
| 3 | The Warlord of Mars | 1913/14 | 1919 |
| 4 | Thuvia, Maid of Mars | 1916 | 1920 |
Die Bände zwei und drei gehören zusammen: Die Götter des Mars endet mit einem offenen Cliffhanger, den erst Der Kriegsherr des Mars auflöst. Wer danach weiterlesen will, findet in Thuvia einen Perspektivwechsel: Dort steht Carthoris im Mittelpunkt, der Sohn von John Carter und Dejah Thoris.
Die späteren Bände der Serie wanderten in andere Magazine. *The Master Mind of Mars* druckte Hugo Gernsback 1927 im *Amazing Stories Annual*, nachdem mehrere Redaktionen abgelehnt hatten; *A Fighting Man of Mars* lief 1930 als Sechsteiler in *The Blue Book Magazine*.

Deutsche Ausgaben und Übersetzungen
Vier deutsche Übersetzungen sind erschienen, und die Titel unterscheiden sich:
| Jahr | Deutscher Titel | Übersetzung | Verlag |
|---|---|---|---|
| 1925 | Eine Marsprinzessin | Alfred Dieck | Dieck & Co., Stuttgart |
| 1972 | Die Prinzessin vom Mars | Leni Sobez | Williams |
| 1996 | Die Prinzessin vom Mars | Franziska Willnow | Kranichborn, ISBN 3-930040-41-4 |
| 2019 | Eine Prinzessin vom Mars | Gabriele C. Woiwode | Apex, ISBN 978-3-7485-7490-3 |
Damit ist dieser Band der am häufigsten übersetzte Mars-Roman von Burroughs im deutschen Sprachraum. Alfred Dieck übersetzte ihn 1925 als Erster, allerdings gekürzt, wie es bei deutschen Pulp-Ausgaben der Zwanziger üblich war. Leni Sobez übersetzte 1972 für Williams, Franziska Willnow 1996 für Kranichborn. Gabriele C. Woiwode legte 2019 bei Apex die bislang letzte Fassung vor.
Wenn Sie antiquarisch kaufen: Die Williams-Bände sind weit verbreitet und günstig, die Kranichborn-Ausgabe seltener. Lieferbar ist derzeit vor allem die von Gabriele C. Woiwode übersetzte Apex-Edition.
Was den Text heute sperrig macht
Der Erzähler ist ein Offizier der Südstaaten, und der Roman verliert darüber kein kritisches Wort. Die Marsvölker sind nach Hautfarbe sortiert, die roten sind zivilisiert, die grünen grausam. Solche Muster gehören zum Pulp der Jahre um 1912 und lassen sich beim Lesen nicht abschalten. Wer den Text als historisches Dokument nimmt, kommt damit zurecht; wer eine moderne Science-Fiction erwartet, wird sich wundern.
Für wen sich Eine Prinzessin vom Mars lohnt
- Für alle, die wissen wollen, woher die Bildsprache halber Weltraumabenteuer stammt.
- Für Leser, die Tempo mögen: 28 kurze Kapitel, keine Leerstellen, ein Cliffhanger nach dem anderen.
- Für den Einstieg in die Barsoom-Serie, denn ohne diesen Band fehlt jede Voraussetzung.
Das englische Original ist gemeinfrei und steht vollständig bereit: Volltext im Project Gutenberg. Wie der Gemeinfreiheit-Status zustande kommt, erklärt unsere Seite zur Lizenz und Nutzung.
