Hinter dem letzten Kapitel von *Tarzan the Terrible* folgt kein Nachwort und keine Danksagung, sondern ein Glossar. Edgar Rice Burroughs hängte seinem achten Tarzan-Roman ein alphabetisches Verzeichnis jener Sprache an, die er für das Tal Pal-ul-don erfunden hatte, dazu eine Landkarte. Warum *Tarzan der Schreckliche* unter Lesern einen eigenen Ruf hat, steht schon in diesem Anhang: Hier nahm sich ein Vielschreiber ausnahmsweise Zeit für Weltenbau.
Ein Rettungsversuch, der zwei Monate zurückliegt
*Tarzan the Terrible* setzt unmittelbar nach *Tarzan the Untamed* (1920) ein. Dort hatte Tarzan geglaubt, seine Frau Jane sei bei einem Überfall auf die Farm der Greystokes umgekommen, und war monatelang durch Ostafrika gezogen, um Rache zu nehmen. Am Ende war der Tod eine Täuschung. Jane lebt und ist in der Gewalt von Leutnant Erich Obergatz.
Zwei Monate später setzt die Handlung ein. Die Spur führt in ein Tal, das von Sümpfen so gründlich abgeriegelt wird, dass seine Bewohner nichts von der Außenwelt wissen. Es heißt Pal-ul-don, wörtlich „Land der Menschen“.
Pal-ul-don: zwei Völker mit Schwänzen und ein Saurier
Edgar Rice Burroughs baut sein verlorenes Tal ungewöhnlich sorgfältig. Es hat eine Geografie mit Namen, eine Religion, ein Zahlensystem und zwei Bevölkerungsgruppen, die sich seit Generationen bekriegen.
- Die Ho-don sind hellhäutig, unbehaart und bauen Städte. Ihre Hauptstadt A-lur, die „Stadt des Lichts“, liegt an einem See; der König heißt Ko-tan, der Hohepriester Lu-don.
- Die Waz-don sind dunkelhäutig und behaart. Sie wohnen in Höhlen, die sie in die Felswände von Schluchten wie Kor-ul-ja geschlagen haben.
Beide Gruppen haben einen Schwanz und greifende Füße und halten Tarzan anfangs für ein missgestaltetes Wesen, weil ihm der Schwanz fehlt. Dazu eine Fauna, die es sonst nirgends gibt: der Gryf, ein triceratopsartiges Tier, das Burroughs im Glossar ausdrücklich vom prähistorischen Vorbild abgrenzt, weil sein Gryf Fleisch frisst und Krallen statt Hufe trägt. Ergänzt wird das Bestiarium durch den Jato, eine Säbelzahnkatze, und den Tor-o-don, einen tierähnlichen Urmenschen, der die Gryfs mit Stockschlägen dirigiert. Genau diese Technik schaut Tarzan sich ab.

Die erfundene Sprache: ein Baukasten aus Silben
Die Eigennamen des Romans sind keine Zufallsklänge, sondern zusammengesetzte Wörter. Wer die wichtigsten Bausteine kennt, liest den Text mit anderen Augen. Das Glossar am Buchende liefert sie:
| Silbe | Bedeutung | Beispiel im Roman |
|---|---|---|
| pal | Land, Ort | Pal-ul-don, Land der Menschen |
| ul | von | Kor-ul-ja, Schlucht des Löwen |
| don | Mensch | Ho-don, Waz-don |
| ho / waz | weiß / schwarz | die beiden Völker |
| lur | Stadt | A-lur, Ja-lur, Tu-lur |
| jad | der, die, das | Jad-ben-Otho, der große Gott |
| guru | schrecklich | Tarzan-jad-guru |
| at | Schwanz | Om-at, langer Schwanz |
| kor | Schlucht | Kor-ul-gryf |
Im Glossar legt Burroughs sogar offen, dass männliche Ho-don-Namen mit einem Konsonanten beginnen und enden und eine gerade Silbenzahl haben, weibliche mit einem Vokal beginnen und enden und eine ungerade. Für die Waz-don gilt die Regel spiegelverkehrt. Auch die Zahlwörter sind durchkomponiert, von *en* für eins bis *xot* für tausend.
Warum Tarzan der Schreckliche so heißt: die Handlung in fünf Schritten
Die 25 Kapitel folgen einer klaren Bewegung: hinein ins Tal, hinauf in die Machtzentrale, wieder hinaus.
- Tarzan rettet den Ho-don Ta-den und den Waz-don Om-at aus Notlagen und gewinnt beide als Gefährten. Bei der Suche nach Om-ats Verlobter Pan-at-lee erlegt er einen Gegner so mühelos, dass ihm die Bewohner den Namen Tarzan-jad-guru geben, Tarzan der Schreckliche.
- In der Hauptstadt A-lur gibt Tarzan sich als Dor-ul-Otho aus, als Sohn des Gottes Jad-ben-Otho. Die List funktioniert beim König Ko-tan, nicht aber beim Hohepriester Lu-don, der Menschenopfer verteidigt und in Tarzan eine Bedrohung seiner Macht erkennt.
- Ein junger Weißer taucht auf, den die Waz-don Jar-don nennen. Es ist Korak, Tarzans Sohn, Hauptfigur des vierten Reihenbandes.
- Im letzten Drittel steht die bekannteste Szene des Buches: Tarzan zähmt einen Gryf und reitet ihn in den Angriff auf A-lur.
- Jane hat unterdessen im Tal überlebt, während Obergatz den Verstand verliert und sich selbst für Jad-ben-Otho hält. Die Auflösung führt Tarzan, Jane und Korak zusammen und aus dem Tal heraus.

Figuren, die man sich merken sollte
- Ta-den, Ho-don-Krieger und Sohn des Häuptlings Ja-don. Tarzans erster Verbündeter.
- Om-at, Waz-don, der im Lauf des Romans zum „gund“, zum Häuptling seiner Schlucht, aufsteigt.
- Pan-at-lee, Om-ats Verlobte. Ihre Verschleppung setzt die erste Hälfte der Handlung in Gang.
- Lu-don, Hohepriester von A-lur und der eigentliche Gegenspieler.
- Mo-sar, ein Thronprätendent, der Jane in seine Stadt Tu-lur bringt.
Wo der Band in der Tarzan-Reihe steht
*Tarzan the Terrible* ist der achte Band der Reihe und schließt einen Zweiteiler ab, der mit *Tarzan the Untamed* begonnen hatte. Wer die Vorgeschichte nicht kennt, versteht die ersten Kapitel trotzdem, verliert aber die Spannung: Das ganze Buch ist eine Suche nach einer Frau, die der Held für tot hielt. Die direkte Nachbarschaft sieht so aus:
| Band | Originaltitel | Jahr | Deutsche Titel (Auswahl) |
|---|---|---|---|
| 5 | Tarzan and the Jewels of Opar | 1916 | Tarzan und die Juwelen von Opar, Tarzan und der Schatz von Opar |
| 6 | Jungle Tales of Tarzan | 1919 | Tarzans Dschungelgeschichten |
| 7 | Tarzan the Untamed | 1920 | Tarzans Rache, Tarzan der Ungezähmte |
| 8 | Tarzan the Terrible | 1921 | Tarzan in Gefahr, Tarzan der Schreckliche |
| 9 | Tarzan and the Golden Lion | 1923 | Tarzan und der goldene Löwe |
Der Einstieg in die Reihe bleibt Tarzan bei den Affen von 1912, danach folgt *Tarzans Rückkehr*. Wer Tarzans Jugend im Dschungel nachlesen will, greift zu den zwölf Erzählungen in Jungle Tales of Tarzan, die zeitlich vor allen Romanhandlungen liegen. Veröffentlicht wurde *Tarzan the Terrible* zuerst als siebenteilige Fortsetzung in *Argosy All-Story Weekly*, zwischen dem 12. Februar und dem 26. März 1921; die Buchausgabe brachte A. C. McClurg am 20. Juni 1921 heraus.
Tarzan war für Edgar Rice Burroughs nur eine von mehreren Serien. Parallel schrieb er die Mars-Bücher um den Erdenmenschen John Carter, die 1912 mit *A Princess of Mars* begannen, dazu Pellucidar über eine bewohnte Welt im Erdinneren und später den Venus-Zyklus. Pellucidar und Pal-ul-don folgen derselben Idee: eine abgeschottete Welt, in der Saurier überlebt haben.

Was beim Lesen sperrig bleibt
Das Buch teilt sein Tal nach Hautfarbe: Die hellhäutigen Ho-don wohnen in Städten und haben Priester und Könige, die dunkelhäutigen Waz-don leben in Höhlen. Diese Ordnung wird nicht hinterfragt, sie ist das Setting. Dazu kommt die Figur des deutschen Offiziers, die aus der Kriegsstimmung um 1919 stammt. Schon der Vorgängerband hatte Burroughs in Deutschland Ärger eingetragen, weil er die deutschen Kolonialtruppen als Verbrecherbande zeichnet. Wegerklären muss man das nicht: Es ist Unterhaltungsliteratur, die die Vorurteile ihrer Entstehungszeit ungefiltert mitführt. Dass die Texte heute frei verfügbar sind, liegt an ihrem Alter; wie Gemeinfreiheit funktioniert, erklärt eine eigene Seite.
Deutsche Ausgaben und Übersetzungen
Die deutsche Verlagsgeschichte ist übersichtlich:
- 1954 erschien die erste deutsche Ausgabe im Pegasus Verlag in Wetzlar, allerdings unter dem Titel *Tarzan in Gefahr*. Übersetzt hat sie Anne Steul.
- 1995 veröffentlichte der Kranichborn Verlag in Leipzig das Buch als *Tarzan der Schreckliche*, übersetzt von Ruprecht Willnow nach der ungekürzten amerikanischen Originalausgabe. Der Leipziger Verlag brachte damals eine mehrbändige Werkausgabe heraus, in der auch *Tarzan und der goldene Löwe* neu übersetzt wurde.
- 2024 nahm der Apex-Verlag den Titel wieder als *Tarzan in Gefahr* ins Programm, in einer Edition von Anne Steul und Christian Dörge, 336 Seiten, ISBN 978-3-7531-3637-0.
Achten Sie beim Kauf auf zwei Punkte. Erstens weicht die deutsche Reihenfolge von der amerikanischen ab: Apex führt den Titel als zehnten Band seines Tarzan-Zyklus, im Original ist es der achte. Zweitens sind ältere deutsche Tarzan-Bücher oft gekürzt worden. Antiquarisch taucht die Kranichborn-Edition regelmäßig auf, die Pegasus-Ausgabe aus Wetzlar deutlich seltener.
Für wen sich das Buch lohnt
- Wer sich für Burroughs‘ Weltenbau interessiert, bekommt hier sein sorgfältigstes Beispiel. Pal-ul-don ist gründlicher durchdacht als die meisten anderen verlorenen Welten des Autors.
- Wer *Tarzan the Untamed* gelesen hat, braucht diesen Band, sonst bleibt die Rettung Janes offen.
- Und wer gern an erfundenen Sprachen herumtüftelt, findet in Glossar und Namenslogik Stoff für einen Abend.
Weniger geeignet ist der Band als Einstieg, dafür sind zu viele Fäden vorher gesponnen worden. Das englische Original steht vollständig und kostenlos bereit: Volltext im Project Gutenberg. Weitere gemeinfreie Titel mit Einordnung finden Sie in unserer digitalen Bibliothek.
