Rund 66.000 Wörter auf 21 Kapitel: „The Beasts of Tarzan“ ist der kürzeste der frühen Tarzan-Romane und der am schnellsten erzählte. Burroughs verzichtet diesmal auf Pariser Salons und Wüstenritte und schreibt eine reine Verfolgungsjagd, die nach wenigen Seiten losgeht und bis zum Schluss nicht abreißt.
Wann erschien der Roman?
Die Geschichte lief 1914 als fünfteilige Serie in *All-Story Cavalier Weekly*, der erste Teil am 16. Mai 1914. Die Buchausgabe brachte A. C. McClurg & Co. am 4. März 1916 in Chicago heraus. Auf Deutsch heißt der Band „Tarzans Tiere“.
Worum geht es?
Ein Jahr nach dem Ende von Band 2 leben Tarzan und Jane in England. Ihr Sohn John, genannt Jack, ist ein Säugling. Nikolas Rokoff und Alexis Paulvitch entkommen aus dem Gefängnis und setzen einen Racheplan um, der gezielt die Familie trifft: Erst verschwindet das Kind, dann werden Jane und Tarzan getrennt voneinander auf den Dampfer „Kincaid“ verschleppt.
Rokoff setzt Tarzan allein auf einer Insel vor der afrikanischen Küste aus, dem sogenannten Jungle Island, und teilt ihm mit, sein Sohn werde bei einem Kannibalenstamm abgegeben. Von dort aus arbeitet sich Tarzan zurück: Er verbündet sich mit dem Panther Sheeta, mit dem Menschenaffen Akut und dessen Sippe und mit Mugambi, einem Häuptling vom Ugambi, dessen Kanu er kapert. Mit dieser Truppe verfolgt er die „Kincaid“ flussaufwärts.
Jane entkommt unterdessen mit Hilfe des schweigsamen Schiffskochs Sven Anderssen, der dabei das Leben verliert. Sie schlägt sich mit einem Säugling durch den Wald, der nicht ihr eigener ist. Das Kind stirbt im Dorf an Fieber; die alte Tambudza erzählt Tarzan später davon.

Die Auflösung dreht die Sache um: Paulvitch hatte hinter Rokoffs Rücken das Kind vertauscht, um Lösegeld zu erpressen. Der echte Jack war die ganze Zeit sicher in London. Rokoff stirbt unter den Klauen Sheetas, Paulvitch verschwindet im Dschungel, und Mugambi kehrt mit dem Ehepaar nach England zurück. Tarzan bietet ihm und seiner Begleiterin ein Zuhause auf seinem Landbesitz im Gebiet der Waziri an.
Wer sind die Tiere im Titel?
Der englische Titel meint keine Metapher. Tarzans Streitmacht besteht aus Tieren, und Burroughs behandelt sie als Figuren mit eigenem Willen.
| Figur | Rolle im Buch |
|---|---|
| Sheeta | Panther, den Tarzan aus einer Falle befreit; tötet am Ende Rokoff |
| Akut | Anführer einer Affensippe auf Jungle Island, wird Tarzans Stellvertreter |
| Die Affensippe | Ein Dutzend Mangani, die Tarzan als Anführer akzeptieren |
| Mugambi | Häuptling der Wagambi, der Einzige der Truppe, der sprechen kann |
Akut ist die wichtigste Neuerung. Er bleibt als Figur erhalten und trägt den gesamten Anfang des vierten Bandes.
Warum wirkt der Band schneller als seine Vorgänger?
Drei Gründe fallen beim Lesen auf:
- Es gibt nur einen Handlungsstrang. Kein Gesellschaftsroman, keine Parallelhandlung in Amerika.
- Die Kapitel sind kurz, oft unter 2.000 Wörtern, und enden fast durchweg mit einem Cliffhanger. Das ist der Rhythmus des Fortsetzungsdrucks im Magazin.
- Der Gegner ist bekannt. Rokoff muss nicht mehr eingeführt werden, der Roman kann sofort loslegen.

Wo steht der Band in der Reihenfolge?
Die ersten Bände bauen strikt aufeinander auf. Wer bei Band 3 einsteigt, versteht weder die Feindschaft mit Rokoff noch, warum Tarzan Lord Greystoke heißt.

| Band | Originaltitel und Jahr | Deutscher Titel |
|---|---|---|
| 1 | Tarzan of the Apes, 1912 | Tarzan bei den Affen |
| 2 | The Return of Tarzan, 1913 | Tarzans Rückkehr |
| 3 | The Beasts of Tarzan, 1914 | Tarzans Tiere |
| 4 | The Son of Tarzan, 1915/16 | Tarzans Sohn |
| 5 | Tarzan and the Jewels of Opar, 1916 | Tarzans Schatz von Opar |
| 6 | Jungle Tales of Tarzan, 1916/17 | Tarzans Dschungelgeschichten |
| 7 | Tarzan the Untamed, 1919/20 | Tarzans Rache |
Band 2 stellen wir unter The Return of Tarzan vor, den Anfang der Reihe unter Tarzan bei den Affen. Band 4 knüpft direkt an das Ende dieses Romans an: In The Son of Tarzan taucht der totgeglaubte Paulvitch mit dem Affen Akut in London wieder auf.
Nach Band 4 löst sich die Kette etwas. Band 5 führt zurück nach Opar, Band 9 mit „Tarzan and the Golden Lion“ (deutsch „Tarzan und der goldene Löwe“) noch einmal dorthin. Parallel zur Tarzan-Reihe schrieb Burroughs die Mars-Romane um John Carter und die Bücher um die Hohlwelt Pellucidar; wer eines seiner Bücher mag, findet dort das gleiche Erzähltempo.
Wie geht der Roman mit Afrika um?
Nüchtern gesagt: schlecht, und zwar auf eine Weise, die für die Abenteuerliteratur um 1914 typisch ist.
Die Dörfer am Ugambi erscheinen fast nur als Kulisse für Überfälle, ihre Bewohner werden pauschal als Kannibalen bezeichnet. Wer einen Namen bekommt, bekommt ihn, weil er Tarzan nützt: Mugambi als treuer Waffengefährte, die alte Tambudza als Auskunftgeberin. Am Ende folgt Mugambi, ein Häuptling mit eigenem Land, dem Engländer nach London und lässt sich anschließend auf dessen afrikanischem Besitz ansiedeln. Diese Bewegung vom eigenständigen Anführer zum Gefolgsmann ist kein Nebendetail, sondern das Muster, nach dem der Roman gebaut ist.
Bemerkenswert ist, dass ein Panther und ein Menschenaffe in diesem Buch mehr Innenleben zugesprochen bekommen als die meisten afrikanischen Figuren. Wer das beim Lesen mitdenkt, wird nicht überrascht und kann trotzdem verfolgen, warum die Geschichte damals Millionen Leser fand.
Welche deutschen Ausgaben gibt es?
Die deutsche Erstausgabe erschien 1924 bei Dieck & Co. in Stuttgart als „Tarzans Tiere“, übersetzt von Tony Kellen, mit einem Umschlag von Willy Planck. Der Pegasus Verlag in Wetzlar übernahm die Fassung 1951. Beim Williams Verlag kam der Band 1972 als „Tarzans Bestien“ heraus, bearbeitet von Leni Sobez. Ab 1994 legte der Kranichborn Verlag in Leipzig eine Neuausgabe vor, übersetzt von Ruprecht Willnow nach der ungekürzten amerikanischen Originalausgabe.
Worauf Sie beim Kauf achten sollten:
- Der deutsche Titel wechselt zwischen „Tarzans Tiere“ und „Tarzans Bestien“. Verlässlich ist nur der Originaltitel.
- Ältere Jugendausgaben sind gekürzt. Die Kapitelzahl des Originals liegt bei 21.
- Die alten Übersetzungen geben die abwertende Wortwahl des Originals unverändert wieder.
Der englische Text ist gemeinfrei und vollständig kostenlos verfügbar: Volltext im Project Gutenberg. Warum Werke dieser Zeit frei sind, erklärt unsere Übersicht zur Gemeinfreiheit.
Für wen lohnt sich der Band?
Kurz zusammengefasst:
- Wenn Sie die Reihe der Reihe nach lesen, ist dieser Band der Abschluss der Rokoff-Geschichte und damit Pflicht.
- Wenn Sie wenig Zeit haben, ist er der zugänglichste der frühen Romane. Man liest ihn an zwei Abenden.
- Wenn Sie den Buch-Tarzan als Figur interessant finden, bekommen Sie hier die klarste Version davon: einen Mann, der lieber mit Tieren als mit Menschen arbeitet.
Weitere vorgestellte Titel finden Sie in unserer Digitalen Bibliothek.
